Bitcoin hat mehrere Wochen heftiger Schwankungen durchlaufen. Angesichts der wieder zunehmenden geopolitischen Spannungen fließt das Kapital allmählich wieder in diese Anlage, was dazu beiträgt, die zuvor erlittenen Verluste teilweise wieder auszugleichen.
Zum Zeitpunkt des Schreibens hat Bitcoin die Marke von 71.000 USD zurückerobert, nachdem es mehrere Wochen unter dieser Schwelle gehandelt hatte – ein bemerkenswertes Signal der Erholung für den Markt.
Dennoch bleibt die größere Frage offen: Ist die aktuelle Erholung der Beginn eines nachhaltigen Wachstumzyklus oder nur eine vorübergehende Pause, bevor der Markt in eine neue Phase der Volatilität eintritt?
Bitcoin befindet sich in einer deutlich reduzierten Hebelphase, was die Risikostruktur des Derivatemarktes erheblich verändert.
Seit dem 6.10. hat sich das offene Interesse (OI) stark verringert, von 47,5 Milliarden USD auf 23,2 Milliarden USD – ein Rückgang um 24,3 Milliarden USD. Mit anderen Worten: Mehr als die Hälfte des zuvor genutzten Hebelkapitals ist aus dem Markt abgezogen worden, was eine bedeutende Bereinigung der spekulativen Kapitalflüsse markiert.
Dieses Ausmaß an Kapitalrückzug ist besonders bemerkenswert. In Zeiten fallender Kurse deutet ein Rückgang der Hebelwirkung oft darauf hin, dass übermäßige Spekulationen eliminiert werden, was den Markt gesünder macht.
Wenn die Zahl der hoch gehebelten Positionen sinkt, verringert sich auch die Gefahr von Kettenliquidationen erheblich.
Quelle: CryptoQuantFrüher erlebte der Markt große Liquidationsschocks. Anfang des Jahres, am 5. Februar, wurden innerhalb eines Tages 1,14 Milliarden USD an Positionen liquidiert. Allein im Januar wurden in mehreren Sessions die Gesamtliquidationen von Long- und Short-Positionen über 500 Millionen USD erreicht.
Doch das aktuelle Bild ist anders. In letzter Zeit überschreitet der Gesamtwert der Liquidationen kaum noch 150 Millionen USD, was auf eine deutlich geringere Systemschwäche hinweist.
Wenn keine große Menge an Hebelwirkung mehr in eine Richtung gebunden ist, wird der Markt weniger durch extreme Bewegungen durch Liquidationswellen getriggert.
Das bedeutet nicht, dass die Volatilität verschwindet. Aber die Gefahr eines chaotischen Zusammenbruchs auf dem aktuellen Preisniveau ist deutlich geringer geworden.
Trotz der jüngsten Erholungsrallye zeigen Daten aus dem Derivatemarkt, dass die Stimmung der Trader noch vorsichtig ist.
Der Funding-Rate bleibt weiterhin im negativen Bereich, was bedeutet, dass Short-Positionen Gebühren zahlen müssen, um ihre Positionen aufrechtzuerhalten. Seit dem 6.1. konnte die Bullenseite die Funding-Rate nur viermal kontrollieren – ein Zeichen dafür, dass das Gleichgewicht auf dem Perpetual-Contract-Markt weiterhin zugunsten der Bären verschoben ist.
Quelle: CryptoQuantNormalerweise reagiert der Preis auf die Dynamik der Funding-Rate. Ein negativer Funding-Rate bei steigendem Preis deutet darauf hin, dass viele Trader glauben, dass dieser Anstieg nicht von Dauer sein wird. In manchen Fällen kann eine Divergenz zwischen Preis und Funding-Rate Warnsignal für zugrunde liegende Schwächen im Trend sein.
Dennoch ist das Marktbild nicht vollständig negativ. Der Taker Buy/Sell Ratio ist auf 1,16 gestiegen, was auf eine aktive Kaufkraft im Vergleich zum Verkaufsdruck hindeutet. Wenn dieser Wert über 1 steigt, gilt die Nachfrage im Perpetual-Contract-Markt meist als wachsend.
Bemerkenswert ist, dass der letzte ähnliche Wert im Juni erreicht wurde – danach setzte sich ein breiter Aufwärtstrend durch. Wenn die Kaufkraft weiterhin das Angebot absorbiert, könnten Short-Positionen zunehmend unter Druck geraten. Das anhaltende Ungleichgewicht zwischen aktiver Nachfrage und großen Short-Positionen könnte die Grundlage für einen nachhaltigen Aufwärtstrend in naher Zukunft legen.
Neben den Daten aus dem Derivatemarkt liefern On-Chain-Indikatoren einen tieferen Einblick in die Marktentwicklung.
Derzeit sind die Bitcoin-Bestände auf Börsen auf etwa 2,73 Millionen BTC gefallen. Dieser Rückgang der Reserven deutet meist darauf hin, dass Investoren ihre Coins in Wallets für die Langzeitlagerung transferieren.
Quelle: CryptoQuantHistorisch gesehen geht dieses Verhalten oft mit einer kurzfristigen Abschwächung des Verkaufsdrucks einher. Wenn Coins von Börsen abgezogen werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie sofort verkauft werden, was das Angebot auf dem Spotmarkt einschränkt.
Der kontinuierliche Rückgang der Reserven wirkt wie eine Pufferzone, die die Preisstabilität unterstützt. Zwar garantiert dies keinen Aufwärtstrend, doch trägt es dazu bei, plötzliche Verkaufswellen zu verhindern.
Insgesamt befindet sich der Markt noch nicht in einem klaren Aufwärtstrend. Doch mit der teilweisen Entlastung durch den Abbau der Hebelwirkung und der abnehmenden strukturellen Verkaufsdrucke verringert sich die Gefahr tieferer Korrekturen – zumindest kurzfristig. Dies deutet auf eine allmähliche Stabilisierung hin, die die Grundlage für eine mögliche positive Trendentwicklung in naher Zukunft schafft.