Mit der raschen Eskalation der Lage im Nahen Osten schwanken die Energiemärkte und Finanzmärkte weiterhin. Bloomberg zitiert den erfahrenen Wall-Street-Strategen Ed Yardeni, der warnt, dass die anhaltenden Konflikte im Iran die Ölpreise weiter in die Höhe treiben und den Inflationsdruck verstärken könnten. Das Risiko eines starken Rückgangs oder sogar eines Zusammenbruchs der US-Aktienmärkte in diesem Jahr steigt, wobei betont wird, dass die Märkte nicht nur vor Energiepreis-Schocks stehen, sondern auch die Zinspolitik der Federal Reserve und die Unsicherheit der wirtschaftlichen Aussichten berücksichtigen müssen.
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Nahost-Kriege treiben Ölpreise in die Höhe, Wall-Street-Analysten erhöhen Risiko eines Börsencrashs
Der erfahrene Marktanalyst Ed Yardeni weist in seinem Bericht darauf hin, dass er die Wahrscheinlichkeit eines „Marktcrashs (Meltdown)“ an den US-Abörsen in diesem Jahr aufgrund der eskalierenden iranischen Konflikte und steigender Energiepreise von 20 % auf 35 % erhöht hat. Gleichzeitig hat er die Wahrscheinlichkeit eines durch Investorenstimmung getriebenen „Überhitzung (Meltup)“ von 20 % auf 5 % gesenkt.
Iranischer Krieg schwächt das Vertrauen der Investoren, US-Aktien beginnen zu fallen
Er erklärt, dass diese Anpassung hauptsächlich die Auswirkungen der Energiepreise auf die Wirtschaft widerspiegelt. Mit dem Anstieg der Ölpreise auf über 110 USD pro Barrel wächst die Sorge, dass die Konflikte im Nahen Osten die Energiekosten weiter in die Höhe treiben und das globale Wirtschaftswachstum bremsen könnten.
Trotzdem prognostiziert Yardeni eine 60%ige Chance auf das Szenario eines „Roaring 2020s“ – einer wirtschaftlichen Boomphase ähnlich wie 2020. Er warnt jedoch: „Wenn die Investoren eine stagflationäre Situation erwarten, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Bärenmarktes.“
Laut Yardeni waren seine früheren Marktprognosen meist zutreffend. Im Dezember letzten Jahres empfahl er, Technologieaktien, angeführt von den „Seven Giants“ der US-Aktien, zu reduzieren.
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Ölpreisschock erhöht Inflationsaussichten, Fed steht vor einem Dilemma
Der Anstieg der Energiepreise verändert auch schnell die Erwartungen an die Geldpolitik. Adam Kobeissi, Gründer des Forschungsinstituts Kobeissi Letter, erklärt, dass bei einem Verbleib der Ölpreise auf dem aktuellen Niveau die US-Inflationsrate (CPI) auf 3,2 % steigen könnte. Steigen die Preise auf 110 oder sogar 130 USD pro Barrel, könnte die Inflation nahe an 3,5 % bis 3,9 % herankommen.
Das bedeutet, dass die Federal Reserve gezwungen sein könnte, die Zinssenkungen zu verschieben. Wie Yardeni warnt, könnten die Auswirkungen des Ölpreisanstiegs die doppelte Aufgabe der Fed erschweren:
Die US-Wirtschaft und die Aktienmärkte befinden sich in einer Zwickmühle. Wenn die Ölversorgungskrise anhält, steht die Fed vor der Herausforderung, sowohl die Inflation zu bekämpfen als auch die Arbeitslosigkeit zu kontrollieren.
Peter Schiff und Michael Burry warnen vor Rezession
Der Ökonom Peter Schiff meint, dass hohe Ölpreise nicht zwangsläufig direkt zu Inflation führen, sondern zunächst eine Rezession auslösen könnten. Erst durch Stimulierungsmaßnahmen von Regierung und Zentralbank könnten die Preise steigen. Dieses Szenario könnte gleichzeitig eine wirtschaftliche Abschwächung und steigende Preise bedeuten.
Der bekannte Short-Investor und Hedgefonds-Manager Michael Burry warnt: „Präsident Trump könnte die Welt in eine beispiellose Gefahr bringen. Ein erneuter Rückgang der Aktienmärkte wäre sein tödlicher Fehler.“
Analysten: Bullenmarkt-Gedächtnis lässt Investoren Risiken ignorieren
Außerdem äußert der Analyst Ross Hendricks von Stansberry Research die Befürchtung, dass die Märkte die Risiken unterschätzen. Er betont, dass die fast 15-jährige Bullenmarkt-Phase die Anleger stark beeinflusst hat.
Hendricks glaubt, dass jede Marktkorrektur in der Vergangenheit schnell durch Kapitalzuflüsse ausgeglichen wurde. Makroökonomische Krisen wurden oft durch lockere Geldpolitik oder Stimuli rasch gelöst. Das hat dazu geführt, dass die heutige Generation von Investoren an das „Kaufen bei Rücksetzern“ gewöhnt ist. Wenn jedoch eine echte systemische Krise ausbricht, könnten die Marktteilnehmer noch nicht auf die stärkeren Schwankungen vorbereitet sein.
Dieser Artikel wurde erstmals im Dezember letzten Jahres veröffentlicht, als er vor einem Rückgang der Technologieaktien warnte. Die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit eines US-Aktiencrashs auf 35 % wurde von Chain News ABMedia veröffentlicht.