
Die US-Börsenaufsicht SEC hat am 16. März zwei bedeutende regulatorische Vorschläge veröffentlicht, die zwar unterschiedliche Richtungen einschlagen, aber beide tiefgreifende Auswirkungen haben. Der erste betrifft die Überarbeitung der Regel 15c2-11 des Securities Exchange Act, um den Geltungsbereich der Quotenüberwachung im Over-the-Counter (OTC)-Markt ausschließlich auf Aktien zu beschränken; der zweite Vorschlag zielt auf die Abschaffung der seit Jahrzehnten bestehenden Pflicht zur quartalsweisen Finanzberichterstattung, um Unternehmen künftig halbjährlich Bericht zu erstatten.
(Quelle: SEC)
Seit ihrer Einführung zielt die Regel 15c2-11 vor allem darauf ab, Manipulationen und betrügerische Transaktionen im außerbörslichen Aktienhandel zu verhindern. Sie legt die Pflichten von Maklern und Händlern fest, bei der Veröffentlichung oder Aufrechterhaltung von Quoten im OTC-Markt Informationen zu sammeln und zu prüfen.
Die vorgeschlagene Änderung soll die Anwendungsbereiche der Regel klarer definieren: Es wird bestätigt, dass Regel 15c2-11 ausschließlich für Aktien gilt und andere Vermögenswerte ausschließt. SEC-Vorsitzender Paul S. Atkins erklärte in der Bekanntmachung: „Regulatorische Vorschriften sollten entsprechend der jeweiligen Vermögensklasse angepasst werden. Dieser Vorschlag wird die Überwachungspflichten bei der Veröffentlichung von Quoten klarstellen und den langjährigen Konsens bekräftigen: Regel 15c2-11 gilt für Aktien.“
Für den Kryptowährungsmarkt bedeutet diese Klarstellung eine indirekte positive Signalwirkung — sie bestätigt die Grenzen der SEC-Regulierung und macht deutlich, dass digitale Vermögenswerte wie Bitcoin, Ethereum etc. nicht unter diesen Regelrahmen fallen. Das trägt dazu bei, regulatorische Grauzonen zu verringern.
Die öffentliche Konsultationsphase beginnt mit der Veröffentlichung des Vorschlags im Federal Register und dauert 60 Tage.
Der zweite, systematisch bedeutendere Vorschlag betrifft die Überlegung der SEC, die verpflichtende quartalsweise Offenlegung von Unternehmenszahlen abzuschaffen und stattdessen halbjährliche Berichte zuzulassen. Wird dieser Vorschlag angenommen, wäre es eine der bedeutendsten Reformen im US-amerikanischen Kapitalmarktrecht seit Jahrzehnten.
Derzeit befindet sich der Vorschlag noch in der internen Prüfung der SEC. Es ist unklar, ob die Regeländerung bis 2026 umgesetzt wird.
Die Änderung beschränkt die Anwendbarkeit der Regel auf Aktien, was indirekt klärt, dass digitale Vermögenswerte (wie Bitcoin, Ethereum etc.) nicht unter diese Regel fallen. Das ist ein positiver Schritt für den außerbörslichen Handel mit Kryptowährungen, da es eine klarere regulatorische Zuordnung schafft und Institutionen bei der Einhaltung der Vorschriften eine bessere Orientierung bietet.
Theoretisch führt eine geringere Berichtsfrequenz dazu, dass Investoren ihre Einschätzungen und Erwartungen auf einen längeren Zeitraum stützen müssen, da die Daten nur noch alle sechs Monate vorliegen. Während dieser Zeit könnten Marktbewegungen stärker von Spekulationen und Gerüchten beeinflusst werden, was zu größeren Kursschwankungen vor und nach den Halbjahresberichten führen kann.
Indirekt ja. Mehr Transparenz im Kapitalmarkt wirkt sich auf die Risikobereitschaft der Investoren aus. Wenn die traditionelle Börse weniger transparent wird, könnten Kapitalströme in als transparenter wahrgenommene Krypto-Assets fließen. Umgekehrt könnten größere Marktvolatilitäten auch die Risikobereitschaft insgesamt senken. Die tatsächlichen Effekte hängen stark vom finalen Regelungsdesign und der Marktreaktion ab.