Die Koreanische Polizei (KNPA) arbeitet derzeit an der Entwicklung neuer Richtlinien für die Verwaltung von beschlagnahmten virtuellen Vermögenswerten, wobei erstmals auch der Umgang mit „Privacy Coins“ aufgenommen wird. Laut der koreanischen Medienagentur „Asia Economy“ hat die Polizei den Entwurf für die entsprechenden Anweisungen fertiggestellt und die Verwaltungslösung für „Software-Wallets“ offiziell in die Vorschriften aufgenommen, um künftig die Beschlagnahme und Verwahrung von anonymen Kryptowährungen zu regeln. Diese Maßnahme spiegelt auch wider, dass die koreanischen Strafverfolgungsbehörden nach kürzlichen Sicherheitslücken bei der Vermögensverwaltung die Bemühungen zur Stärkung des digitalen Asset-Management-Systems beschleunigen.
Warum neue Regelungen? Privacy Coins unterscheiden sich von herkömmlichen Kryptowährungen
Laut „Asia Economy“ verwaltete die Polizei bisher die beschlagnahmten virtuellen Vermögenswerte grundsätzlich in Hardware-Wallets (Cold Wallets). Für Privacy Coins ist diese Methode jedoch oft ungeeignet. Da einige Privacy Coins spezielle Software auf Computern oder Servern erfordern, um Wallets zu erstellen, werden die privaten Schlüssel meist in Dateien oder Strings gespeichert und nicht nur auf physischen Geräten verwaltet. Dadurch unterscheiden sich die Verwahrungsmodelle von Mainstream-Assets wie Bitcoin. Der Bericht erklärt, dass dies in der Vergangenheit dazu führte, dass Einsatzkräfte ohne klare Vorgaben nur in einer quasi „außerhalb formaler Vorschriften“ operierenden Weise mit Software-Wallets umgingen, was zu praktischen Verwirrungen und Risiken führte.
Weiterhin wird betont, dass Privacy Coins aufgrund ihrer Fähigkeit, Transaktionspartner und Beträge zu verschleiern, langfristig als leichter für kriminelle Aktivitäten und Geldwäsche angesehen werden. Fälle wie die „N-Room“-Sexualverbrechen in Südkorea sowie nordkoreanische Geldwäscheaktivitäten im Zusammenhang mit Kryptowährungen haben die Aufmerksamkeit auf diese anonymisierten Vermögenswerte gelenkt. Dies ist einer der wichtigsten Hintergründe dafür, dass die Polizei Privacy Coins nun in die neuen Richtlinien aufgenommen hat.
Beschlagnahmungsvolumen in den letzten fünf Jahren erreicht 54,5 Milliarden Won
Laut Berichten beläuft sich der Gesamtwert der in den letzten fünf Jahren in Korea beschlagnahmten und rechtskräftig verurteilten virtuellen Vermögenswerte auf etwa 54,5 Milliarden Won, basierend auf den Kursen vom 17. Tag. Davon entfallen rund 50,7 Milliarden Won auf Bitcoin und etwa 1,8 Milliarden Won auf Ethereum. Diese Schätzung basiert nur auf Fällen, bei denen die Verfahren bereits abgeschlossen sind. Wenn man Fälle berücksichtigt, in denen Verdächtige sich weigerten, Wallet-Passwörter herauszugeben, könnte die tatsächliche Beschlagnahme noch höher liegen. Zudem schwanken die Kryptowährungspreise stark, sodass die Bewertung je nach Zeitpunkt erheblich variieren kann.
Die koreanische Polizei gab in einem Interview zu, dass sich die Arbeitsweise bei der Fallbearbeitung verändert hat. Früher wurden physische Beweismittel meist in Lagerräumen eingeschlossen, heute müssen Wallet-Adressen und private Schlüssel verwaltet werden. Das bedeutet, dass virtuelle Vermögenswerte nicht nur neue Formen von kriminellen Einnahmen darstellen, sondern auch die Strafverfolgung zwingen, den gesamten Prozess von Beschlagnahme, Sicherung bis hin zur Verwahrung neu zu strukturieren.
Polizei plant, im ersten Halbjahr private Verwahrungsdienste auszuwählen
Neben der Anpassung der Richtlinien plant die koreanische Polizei, im ersten Halbjahr 2026 einen externen Verwahrungsdienstleister auszuwählen. Im Jahr 2025 hatte die Polizei drei Mal Ausschreibungen gestartet, um externe Anbieter für die Verwahrung beschlagnahmter virtueller Vermögenswerte zu finden. Diese wurden jedoch alle abgelehnt, unter anderem wegen zu kleiner Unternehmensgröße, mangelnder Stabilität und unzureichendem Budget. Laut Berichten beträgt das derzeit für diese Zwecke bereitgestellte Budget nur 8,3 Millionen Won (etwa 55.600 USD), was im Vergleich zu den Risiken, die die Anbieter tragen müssten, deutlich zu gering ist.
Koreanische Medien zitieren Experten, die warnen, dass eine dezentrale Verwaltung von Wallets und Mnemonik-Phrasen durch verschiedene Polizeibehörden eher zu Kontrolllücken führen könnte. Sie schlagen vor, eine zentralisierte, professionelle „öffentliche Verwahrung“ einzurichten, bei der risikoreiche digitale Vermögenswerte von spezialisierten Institutionen einheitlich verwaltet werden, um Fehler in der internen Kontrolle und Sicherheitsvorfälle zu minimieren.
Vermögensverluste als Auslöser für die Systemverbesserung
Die Beschleunigung bei der Entwicklung der Beschlagnahmerichtlinien hängt auch mit jüngsten Sicherheitslücken bei der Verwahrung von Bitcoin durch die Regierung zusammen. Am 23. Januar entdeckte die Staatsanwaltschaft Gwangju bei einer routinemäßigen Überprüfung, dass etwa 320 BTC aus einer Beschlagnahme im August 2025 verschwunden waren. Im Februar gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die gestohlenen Bitcoins von unbekannten Hackern zurückgegeben wurden. Am 10. März teilte sie mit, dass die entsprechenden Vermögenswerte verkauft und etwa 31,59 Milliarden Won an den Staat abgeführt wurden.
Dieser Vorfall zeigt, dass die Verwaltung virtueller Vermögenswerte durch staatliche Stellen nicht nur mit Preisschwankungen konfrontiert ist, sondern auch höhere Sicherheits- und Kontrollrisiken als bei physischen Beweismitteln besteht. Die neuen Regelungen der Polizei sind daher nicht nur eine technische Verbesserung, sondern auch eine grundlegende Maßnahme, um eine bessere Governance-Struktur für die zunehmende Beschlagnahme und Verwaltung digitaler Vermögenswerte im digitalen Zeitalter zu etablieren.