Globale zweitgrößte Stablecoin-Emittentin Circle kündigt die Unterzeichnung eines Vertrags an, um das initiale Entwicklungsteam von Cross-Chain-Protokoll Axelar, Interop Labs, sowie dessen geistiges Eigentum zu übernehmen. Der Abschluss der Transaktion wird bis Anfang 2026 erwartet. Ziel dieser Akquisition ist es, die Entwicklung von Circles Arc-Blockchain und dem Cross-Chain-Transfer-Protokoll CCTP zu beschleunigen, wobei Axelar Network, die Foundation und deren Token AXL ausdrücklich ausgeschlossen sind. Diese „Ausdünnungs“-Akquisition hat sofort große Kontroversen in der Krypto-Community ausgelöst, wurde als „Ausbeutung“ offener Projekte kritisiert und deutet zudem an, dass nach zunehmender Klarheit im regulatorischen Rahmen große Compliance-Organisationen eilig die Kontrolle über die zentrale Infrastruktur der Blockchain-Interoperabilität anstreben.

Im Gegensatz zu typischen Komplettübernahmen erscheint Circles Strategie bei diesem Deal äußerst präzise und „pingelig“. Laut offizieller Erklärung ist der Gegenstand der Transaktion streng auf das Team von Interop Labs und dessen geistiges Eigentum beschränkt. Das Axelar-Netzwerk, die Governance-Foundation und der Ökosystem-Kern-Token AXL bleiben weiterhin eigenständig operierend. Das bedeutet, Circle übernimmt lediglich das „Gehirn“ dieses führenden Cross-Chain-Protokolls – das Kernentwicklungsteam – und lässt das Protokoll selbst der Community.
Diese Struktur folgt einer klaren geschäftlichen Logik. Für Circle ist das ultimative Ziel der Aufbau einer „offenen, vernetzten und skalierbaren On-Chain-Wirtschaft“. Der Erwerb eines erfahrenen, fertigen Cross-Chain-Teams beschleunigt die Umsetzung ihrer Kernstrategie deutlich mehr, als bei einer Eigenentwicklung von Grund auf. Besonders wichtig ist, dass dadurch die Interoperabilität von Arc (als „Internet-Operating-System der Wirtschaft“ positioniert) und CCTP (Cross-Chain-Transfer-Protokoll) direkt gestärkt wird, sodass Assets, die auf Arc ausgegeben werden, nahtlos zwischen Hunderten von Blockchain-Netzwerken fließen können. Circles Chief Product & Technology Officer Nikhil Chandhok erklärt, dass dieser Schritt „die Roadmap von Arc und CCTP beschleunigen wird, um ein Multi-Chain-Internet-Finanzsystem aufzubauen“.
Für die Axelar-Community ist dies eine harte Probe und zugleich eine Chance, die Unabhängigkeit erneut zu bekräftigen. Sergey Gorbunov, Mitgründer von Interop Labs, betont, dass das Team eng mit Common Prefix (einem weiteren bedeutenden Beitragenden des Axelar-Projekts) zusammenarbeiten werde, um einen reibungslosen Übergang und langfristige Unterstützung zu gewährleisten. Die Community muss beweisen, dass ein dezentralisiertes Protokoll auch nach dem Verlust seines ursprünglichen Kerntechnologie-Teams durch offene Zusammenarbeit und Community-Governance weiterentwickelt werden kann. Dies ist an sich eine echte Belastungsprobe für das Prinzip der „Dezentralisierung“.
Mit Bekanntwerden der Akquisition reagierte die Krypto-Community, insbesondere die Akteure und Unterstützer des Axelar-Ökosystems, heftig. Eine weit verbreitete Wut breitete sich rasch aus. Simon Dedic, Gründer des Venture-Capital-Unternehmens Moonrock Capital, kritisierte dies auf Social Media scharf: Er bezeichnete den Deal als „wieder eine Übernahme, wieder ein RUG (Teppichziehen)“ und kritisierte heftig: „Circle übernimmt Axelar, schließt aber Foundation und AXL-Token aus – das ist geradezu kriminell. Selbst wenn es nicht gesetzlich verboten ist, verstößt es gegen die Moral.“
Der Kern dieser Vorwürfe liegt in einer unausgewogenen Verteilung der Interessen. Kritiker argumentieren, dass das Team von Interop Labs durch die Entwicklung und den Betrieb des erfolgreichen Protokolls Axelar eine beträchtliche finanzielle Belohnung (durch Circles Übernahme) erhalten hat, während Community-Mitglieder, die das Protokoll frühzeitig unterstützt, AXL-Token gekauft und gehalten haben, Risiken durch mögliche Verschiebung der Entwicklungsprioritäten und Unsicherheiten ausgesetzt sind. Dies wird als „Verrat“ oder „Ausbeutung“ der Open-Source-Beitragenden und Unterstützer gesehen.
Käufer: Circle (USDC-Stablecoin-Emittentin)
Verkäufer: Interop Labs (initiales Entwicklungsteam des Axelar-Netzwerks)
Übernahmeprozess: Team und geistiges Eigentum
Ausgeschlossene Bereiche: Axelar-Netzwerk, Axelar Foundation, AXL-Token (alle bleiben eigenständig)
Voraussichtlicher Abschluss: Anfang 2026
Hauptziel: Beschleunigung der Cross-Chain-Interoperabilität von Circles Arc-Blockchain und CCTP
Nachfolger: Das Team von Common Prefix übernimmt die Aufgaben von Interop Labs bei Axelar
Diese Kontroverse wirft eine langjährige Branchenfrage auf: Wie sollten Rechte und Interessen zwischen Kernentwicklungsteams, Kapital und der breiten Community bei der Kommerzialisierung offener Protokolle fair verteilt werden? Circles Vorgehen ist rechtlich und regulatorisch vollständig legitim, doch aus Sicht der dezentralen Krypto-Community könnte es moralische Grenzen berühren. Dieses Ereignis könnte künftig als Maßstab für die moralische Bewertung ähnlicher Übernahmen dienen.
Circles Übernahme ist kein Einzelfall, sondern markiert den Beginn eines intensiven Rüstungswettbewerbs im Bereich der „Blockchain-Interoperabilität“ nach dem Wettstreit um Stablecoins. Bemerkenswert ist, dass am selben Tag auch Ripple, ein weiterer bedeutender US-Dollar-gebundener Stablecoin-Emittent, eine bedeutende Initiative zur Verbesserung der Interoperabilität ankündigte – die Erweiterung auf Layer-2-Blockchain-Netzwerke.
Der gleichzeitige Schritt der beiden Giganten steht im Zusammenhang mit der kürzlich vom US-Kongress verabschiedeten Gesetzgebung für kryptografische Währungen, die an den US-Dollar gekoppelt sind (Stablecoins). Die Klarheit in der Regulierung beseitigt entscheidende Hindernisse für den Markteintritt großer Akteure. Wer es schafft, das reibungsloseste und sicherste Netzwerk für den Fluss von Assets zwischen Blockchains aufzubauen, wird im kommenden Boom der Stablecoin-Anwendungen die Kontrolle über die wichtigsten Kanäle und Infrastruktur gewinnen.
Aus dieser Perspektive ist Circles Übernahme von Interop Labs ein strategischer Schritt, um die Position von USDC als zentrale Stablecoin im Multi-Chain-Ökosystem zu festigen und auszubauen. Durch die Internalisierung der führenden Cross-Chain-Technologie kann Circle seinen institutionellen und gewerblichen Kunden bessere End-to-End-konforme Lösungen für Asset-Emission und -Transfer bieten – eine notwendige Investition, um im nächsten Wettbewerbsabschnitt eine Verteidigungslinie aufzubauen.
Diese Übernahme wirft auch eine praktische Frage für die gesamte Open-Source-Krypto-Welt auf: Wie soll ein erfolgreiches Open-Source-Protokoll überleben und sich entwickeln, wenn das Kernentwicklungsteam von einem Unternehmen übernommen wird? Axelar wird hier ein bedeutendes Beispiel sein.
Optimistisch betrachtet könnte dies ein Zeichen für die Reifeentwicklung offener Protokolle sein. Die eigenständige Existenz von Axelar-Netzwerk und AXL-Token bedeutet, dass der Wert des Protokolls nicht mehr nur von einer einzelnen Entität abhängt, sondern durch die Sicherheit des Codes, die Effektivität der Community-Governance und die Netzwerkeffekte bestimmt wird. Das Übernehmen durch das Common Prefix-Team und andere Community-Entwickler wird zeigen, ob Axelar in Bezug auf Dezentralisierung standhält. Ein erfolgreicher Übergang würde das Vertrauen der Community erheblich stärken und beweisen, dass robuste Open-Source-Protokolle „gegen Single-Point-of-Failure“ resilient sind.
Doch die Herausforderungen sind offensichtlich. Der Verlust von Schlüsselpersonen könnte kurzfristig die technologische Innovation und Weiterentwicklung bremsen. Marktschwankungen könnten den AXL-Token-Preis belasten, obwohl die Foundation zuvor Token im Wert von 30 Mio. USD verkauft hat, um die Entwicklung zu unterstützen. Zudem könnten zukünftige Wettbewerbs- und Weiterentwicklungspläne von Circle auf Basis von Interop Labs-Technologie Axelar direkt herausfordern. Die Axelar-Community muss noch enger zusammenarbeiten und effizienter agieren, um in diesem Wandel ihre Position zu verteidigen oder sogar auszubauen.