Vor ein paar Tagen wurde ein Vorschlag für eine Finanzierung bei Curve abgelehnt. Der Inhalt sah vor, 17 Mio. ( Entwicklungsbudget an das Entwicklerteam Swiss Stake AG) zu vergeben. Sowohl Convex als auch Yearn stimmten dagegen, und diese Stimmrechtsverteilung war ausreichend, um das endgültige Ergebnis zu beeinflussen.
Seitdem die Governance-Probleme bei Aave für Aufsehen sorgen, gewinnt die Governance im Markt zunehmend an Aufmerksamkeit. Die bisherige Gewohnheit, einfach Geld zu geben, beginnt sich aufzubrechen. Hinter diesem Vorschlag bei Curve stehen zwei entscheidende Punkte:
Ein Teil der Community ist nicht grundsätzlich gegen die Vergabe von Mitteln an AG, aber sie möchten wissen, wie das Geld bisher verwendet wurde, wie es in Zukunft genutzt werden soll, ob die Finanzierung nachhaltig ist und ob sie dem Projekt Nutzen bringt. Zudem führt das derzeitige primitive Grant-Modell dazu, dass das Geld ausgegeben wird, ohne dass es Einschränkungen gibt. Zukünftig müsste die DAO eine Treasury einrichten, Einnahmen und Ausgaben transparent machen oder Governance-Beschränkungen hinzufügen.
Die großen veCRV-Stimmrechte wollen ihren Wert nicht verwässern. Das ist ein klarer Interessenkonflikt: Wenn die vom CRV-Grant unterstützten Projekte keinen vorhersehbaren Nutzen für veCRV schaffen, werden sie wahrscheinlich keine Unterstützung erhalten. Natürlich haben auch Convex und Yearn eigene Interessen und Einfluss, aber diese Fragen werden hier vorerst ausgeklammert.
Der Vorschlag wurde von Curve-Gründer Mich initiiert. AG ist eines der Teams, das bereits seit 2020 die Kerncodebasis pflegt. Der vorgeschlagene Fahrplan umfasst die Weiterentwicklung von llamalend, Unterstützung für PT und LP sowie die Expansion des On-Chain-Forex-Marktes und von crvUSD. Es sieht vielversprechend aus, aber ob 17 Mio. $CRV dafür gerechtfertigt sind, ist eine andere Frage. Besonders bei Curve unterscheiden sich die Governance-Strukturen deutlich von denen bei Aave, da die Macht in den Händen einiger weniger klar positionierter Teams liegt.
Vergleich von ve mit traditionellen Governance-Modellen:
Kurz gesagt, die meisten herkömmlichen Governance-Modelle haben derzeit kaum Vorteile. Wenn eine DAO jedoch ausreichend reif ist, funktionieren traditionelle Strukturen gut. Leider ist im Krypto-Bereich noch kein Projekt auf diesem Niveau, selbst führende Projekte wie Aave haben ihre Probleme.
Wenn man nur das Modell betrachtet, ist ve in gewisser Weise fortschrittlich. Es ist mit Cashflows verbunden, da es die Kontrolle über Liquidität darstellt. Bei Bedarf kann diese Macht durch Bestechung beeinflusst werden. Selbst wenn man keine langfristige Sperrung anstrebt, kann man seine Token an Proxy-Projekte wie Convex oder Yearn delegieren, um Erträge zu erzielen.
ve ist also ein Modell, das Stimmrechte mit Cashflows verbindet. Die zukünftige Entwicklung wird wahrscheinlich in Richtung „Governance-Kapitalismus“ gehen: Vetoken bindet Stimmrechte an „langfristige Sperrung“. Im Kern geht es darum, diejenigen zu filtern, die große Kapitalmengen besitzen, Verluste bei Liquidität verkraften können und langfristig denken. Langfristig wird die Governance-Community somit zunehmend in Richtung „Kapitalgemeinschaft“ verschoben.
Durch die Existenz von Proxy-Ebenen wie Convex und Yearn möchten viele normale oder loyale Nutzer, die Erträge erzielen, gleichzeitig ihre Liquidität und Flexibilität bewahren. Daher entscheiden sie sich zunehmend, ihre Governance an diese Projekte zu delegieren.
Aus dieser Abstimmung lassen sich auch erste Schlüsse ziehen: In Zukunft ist es möglich, dass bei Curve die Governance durch Mich nicht mehr die Hauptrolle spielt. Stattdessen liegt die Macht bei den großen Stimmrechtsinhabern. Als die Governance bei Aave Probleme bekam, wurde die Idee einer „Delegierten Governance/Elite-Governance“ vorgeschlagen, was der aktuellen Struktur bei Curve ähnelt. Ob das gut oder schlecht ist, wird die Zeit zeigen.
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