Disney verklagt Seedance 2.0 wegen der Einrichtung einer Raubkopie-Materialbibliothek und Verletzung von Urheberrechten, Hollywood und die japanische Regierung äußern gemeinsam Besorgnis, die KI-Video-Kriegsflamme lodert auf.
Das generative KI-Video-Tool Seedance 2.0 von ByteDance gerät unmittelbar nach seiner Einführung in heftige Rechtsstreitigkeiten. Laut Axios hat Disney am 14. Februar offiziell einen Unterlassungs- und Einstellungsbrief (Cease-and-desist) an ByteDance gesendet und wirft dem Tool vor, bei der Schulung in großem Umfang urheberrechtlich geschützte Vermögenswerte verletzt zu haben.
Disney beauftragte die Kanzlei Jenner & Block, vertreten durch Partner David Singer, der in dem Schreiben scharf das Verhalten von ByteDance verurteilt und es mit „virtuellem Fensterschlagen und Raub“ (Smash-and-grab) vergleicht. Er hält diese Verletzungen geistigen Eigentums für vorsätzlich und weitverbreitet, was völlig inakzeptabel ist.
Das Kernproblem, das Disney anspricht, ist, dass Seedance 2.0 angeblich eine voll funktionsfähige „Raubkopie-Bibliothek“ enthält, die bekannte Film- und TV-Assets wie „Star Wars“, Marvel-Superhelden und andere urheberrechtlich geschützte Figuren umfasst und diese wertvollen Rechte als öffentlich zugängliches Material für Nutzer bereitstellt.
Laut einem Schreiben an den General Counsel von ByteDance, John Rogovin, zeigte sich, dass die Verletzungen bereits kurz nach dem Start des Tools sichtbar wurden. Tatsächlich ist dies nicht das erste Mal, dass Disney gegen Tech-Giganten vorgeht: Im Dezember 2025 hatte das Unternehmen bereits rechtliche Warnungen an Google (Veo), Meta und Character.AI verschickt, weil diese Disney-Urheberrechte bei kommerzieller Nutzung von Disney-Bildern verletzt haben, und hat bereits Klagen gegen Midjourney und MiniMax eingereicht.
Weiterführende Artikel
Stärkste Rechtsexperten aktiv! Disney schickt Google eine Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung, anschließend Lizenzvereinbarung mit OpenAI
Die stärkste Rechtsexpertise in der westlichen Hemisphäre! Disney und Universal verklagen Midjourney: Offene Plagiate
Neben den großen Filmstudios haben sich auch die US-amerikanische Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA und die Motion Picture Association (MPA) schnell in die Kritik eingeschaltet.
SAG-AFTRA erklärte öffentlich, dass die unautorisierten Inhalte, die Seedance 2.0 nutzt, die Existenzgrundlage der Schauspieler ernsthaft bedrohen. Der Gewerkschaftsvorsitzende Sean Astin, selbst Opfer, ist, ebenso wie in im Internet kursierende KI-generierte Videos, in denen er als Samwise Gamgee aus „Der Herr der Ringe“ diskutiert, warum nicht direkt ein großer Adler zum Doom-Vulkan geschickt wird.
Zudem tauchten auf sozialen Plattformen gefälschte Bilder auf, die Brad Pitt und Tom Cruise auf einem Dach in einem Kampf zeigen. Die Gewerkschaft kritisierte, dass das Tool Gesetze, Ethik und die grundlegende Prinzipien der „informierten Zustimmung“ missachte.
Bildquelle: The Hollywood Reporter Nutzer ohne Genehmigung verwendeten Seedance 2.0, um Bilder von Brad Pitt und Tom Cruise im Kampf auf einem Dach zu erstellen
Zur Bekämpfung dieser Phänomene kritisiert die Organisation „Human Artistry Campaign“, die die Rechte von Künstlern schützt, die Veröffentlichung von Seedance 2.0 als Angriff auf weltweite Kreative. Sie verurteilt diese unautorisierten Deepfakes und Stimmenkopien als Produkte der Zerstörung kultureller Werte.
Der Vorsitzende der MPA, Charles Rivkin, erklärte in einer Stellungnahme, dass ByteDance ohne jegliche Sicherheitsmaßnahmen den Dienst gestartet habe und damit offen die Urheberrechtsgesetze missachte, die Millionen Arbeitsplätze in den USA schützen.
Kurz darauf folgte Paramount mit einer Anwaltsschreiben an ByteDance, was zeigt, dass die Hollywood-Industrie eine einheitliche Front bildet, um diese unkontrollierte Verletzungskampagne rechtlich zu stoppen.
Der durch Seedance 2.0 ausgelöste KI-Sturm hat die japanische Regierung alarmiert. Am 13. Februar 2026 äußerte sich der Minister für Wirtschaftssicherheit und KI-Strategie, Noriaki Onoda, bei einer Pressekonferenz nach der Kabinettsitzung zu den potenziellen Risiken des Tools.
Minister Onoda erwähnte, dass bereits im Internet Videos mit japanischen bekannten IPs aufgetaucht sind, in denen Figuren wie Ultraman und Detective Conan in Kämpfe oder Gewaltdarstellungen mit dem japanischen Premierminister verwickelt sind.
Bildquelle: X, chinesische Nutzer haben kontroverse Szenen erstellt, in denen Ultraman und der japanische Premierminister kämpfen oder Gewalt ausüben
Bildquelle: X/CuiMao, chinesische Nutzer haben Szenen erstellt, in denen Detective Conan und der japanische Premierminister in Kämpfe verwickelt sind oder Gewalt ausüben
Sie betonte, dass, obwohl das Tool in Japan noch nicht offiziell veröffentlicht wurde, die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke ohne Erlaubnis für Training oder Produktion in Japan auf keinen Fall geduldet werde.
Die japanische Regierung hat die zuständigen Behörden angewiesen, mit ByteDance Kontakt aufzunehmen und Informationen zu sammeln, um zu entscheiden, ob Maßnahmen nach dem „KI-Gesetz“ ergriffen werden sollen. Onoda warnte die Nutzer zudem, dass sie trotz der Vorteile der KI-Technologie bei der Nutzung urheberrechtlich geschützter oder privater Daten rechtliche Konsequenzen tragen könnten.
Die japanische Regierung verfolgt derzeit eine Strategie des „stabilen Nutzens“ und der „Risikovorsorge“ im KI-Bereich, um Innovationen zu fördern und gleichzeitig eine wirksame Regulierung zum Schutz inländischer Kreativer aufzubauen.
Während die rechtlichen Kämpfe intensiv geführt werden, zeigt sich die Branche in einer paradoxen Lage. Obwohl Disney gegenüber ByteDance und Google hart vorgeht, zeigt das Unternehmen gegenüber einem anderen führenden KI-Anbieter, OpenAI, eine ganz andere Haltung.
Kürzlich kündigte Disney an, 1 Milliarde US-Dollar in OpenAI zu investieren und plant, urheberrechtlich geschützte Figuren an die Sora-Video-Plattform sowie an das Bildgenerierungstool von ChatGPT zu lizenzieren. Damit versuchen große Content-Inhaber, durch „strategische Lizenzierung“ die Entwicklung der KI zu steuern und sicherzustellen, dass von Sora generierte urheberrechtlich geschützte Inhalte künftig auf Disney+ gestreamt werden können, um die technologische Bedrohung in eine geschäftliche Chance umzuwandeln.
Weiterführende Artikel
Disney schließt Lizenzvertrag mit OpenAI! Investiert 1 Milliarde Dollar und erwirbt Anteile, Micky Maus darf legal auf Sora erscheinen
Im Vergleich zu OpenAI oder anderen Wettbewerbern zeigt Seedance 2.0 deutliche Fortschritte in der audiovisuellen Integration und im filmischen Realismus. Die generierten Bilder gelten als flüssiger und realistischer als viele bestehende Modelle. Doch wenn diese technologische Führungsposition auf Gesetzesverstößen basiert, wird sie unweigerlich zu tiefergehenden Konflikten in der Branche führen. Mit dem Start der KI-Video-Generationstechnologie im Jahr 2026 wird die Balance zwischen Innovation, kommerzieller Lizenzierung und den Rechten der Kreativen zu einer entscheidenden Herausforderung für ByteDance und die globale Unterhaltungsindustrie. Angesichts der rechtlichen Drohungen kündigte ByteDance an, Sicherheitsmechanismen für Seedance 2.0 zu implementieren, um diese Urheberrechtskrise zu entschärfen.