Das einst als Meilenstein der amerikanischen Künstlichen Intelligenz (KI) betrachtete 500-Milliarden-Dollar-Projekt „Stargate“ kommt ins Stocken. Der ursprüngliche Plan, ein riesiges Datenzentrum mit einer Kapazität von 10 GW aufzubauen, ist aufgrund interner Koordinations- und Finanzierungsprobleme ins Stocken geraten. Angesichts des anhaltend steigenden Rechenleistungsbedarfs und der schnellen Expansion der Wettbewerber passt OpenAI seine Strategie an und setzt verstärkt auf vielfältige Partnerschaften, um die Lücken zu schließen.
„Stargate“-Planung noch nicht umgesetzt: Teambildung und Bauarbeiten ausstehend
Der Stargate-Plan wurde Anfang 2025 vom US-Präsidenten Trump in Zusammenarbeit mit Branchenriesen wie OpenAI, Oracle und SoftBank angekündigt. Ziel war es, in den USA ein KI-Datenzentrum mit einer Gesamtkapazität von 10 GW zu errichten, das die zentrale Infrastruktur für die nächste Generation von KI-Modellen werden sollte. Doch nach über einem Jahr sind die Fortschritte begrenzt.
Laut The Information wurde bislang kein vollständiges spezialisiertes Team für das Joint Venture gebildet, und der Bau großer Anlagen hat noch nicht begonnen. Differenzen bei Führungsstrukturen, Finanzverantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnissen haben den Fortschritt blockiert. Das ursprünglich als Symbol für Branchenintegration und Kapitalmobilisierung geplante Großprojekt befindet sich weiterhin in der Planungsphase.
Finanzierungs- und Liquiditätsdruck bei OpenAI: Eigenbau-Optionen auf Eis gelegt
Als die Fortschritte im Joint Venture ins Stocken gerieten, erwog OpenAI, die Datenzentren eigenständig zu bauen und zu besitzen, sowie die Finanzierung durch große Kredite zu sichern. Aufgrund der hohen Investitionen und der noch nicht ausgereiften langfristigen Gewinnmodelle sind jedoch einige Finanzinstitute bei den hohen Kreditbeträgen vorsichtig.
Schließlich wurde das Eigenbau-Projekt vorerst auf Eis gelegt. Das ursprünglich für Ende 2025 angestrebte Ziel, eine Kapazität von 10 GW zu erreichen, wurde nicht erreicht; aktuell liegt die tatsächliche Kapazität bei etwa 7,5 GW. Mit der Hochstufung der Rechenleistungsprognosen für die Zukunft bis 2030, bei der die Ausgaben von ursprünglich rund 450 Milliarden auf 665 Milliarden US-Dollar steigen, wächst auch der finanzielle Druck.
(OpenAI erzielt Jahresumsatz von über 20 Milliarden US-Dollar, doch die New York Times bleibt skeptisch: 2027 droht Insolvenz)
Vom „Besitzen“ zum „Kontrollieren“: OpenAI vertieft Cloud- und Chip-Partnerschaften
Angesichts der Schwierigkeiten bei Joint Venture und Eigenbau setzt OpenAI auf flexiblere Kooperationsmodelle. Mitte 2025 unterzeichnete das Unternehmen eine Vereinbarung mit Oracle, um gemeinsam etwa 4,5 GW an Datenzentrumskapazität zu entwickeln. Durch die gemeinsame Kosten- und Risikoaufteilung bei Bau und Überschreitungen soll die Kapitalbelastung für einzelne Partner reduziert werden.
Zudem schloss OpenAI zusätzliche Verträge mit mehreren Cloud-Anbietern ab, um kurzfristige Ressourcenengpässe zu überbrücken. Gleichzeitig diversifiziert das Unternehmen seine Chip-Lieferquellen, um die Abhängigkeit von einzelnen GPU-Herstellern zu verringern und eine vielfältige Hardwarestrategie zu verfolgen.
Die Finanzchefin Sarah Friar betonte, dass das aktuelle Hauptziel darin bestehe, langfristigen Zugang zu Rechenleistung und Designautonomie zu sichern, ohne die Bilanz übermäßig zu belasten. Der Eigenbau von Datenzentren gilt weiterhin als langfristige Option, ist aber derzeit nicht Priorität.
OpenAI setzt auf Aufspaltung und Kooperation: Recheninfrastruktur wird zum Schlüsselkampf
Die Verzögerung bei Stargate fällt in eine Phase, in der der globale KI-Wettbewerb rasant an Fahrt gewinnt. Zahlreiche Konkurrenten erweitern ihre Rechenkapazitäten, verbessern die Integration von Datenzentren und Chips, wodurch sich der Fokus des Wettbewerbs zunehmend von Modellfähigkeiten auf Energie- und Hardwarebeschaffung verschiebt.
Gleichzeitig steigt die Stromnachfrage für große Datenzentren erheblich, was bei einigen Netzbetreibern Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit aufkommen lässt. Die KI-Entwicklung ist längst nicht mehr nur ein Software- und Algorithmus-Wettbewerb, sondern stellt auch Herausforderungen für Energieversorgung, Landnutzung und Kapitalmärkte dar.
Der ursprüngliche Plan, das 500-Milliarden-Dollar-Projekt Stargate als Symbol für eine umfassende Aufrüstung der KI-Infrastruktur zu etablieren, verzögert sich aufgrund der realen Bedingungen und der Komplexität der Zusammenarbeit. OpenAI reorganisiert seine Rechenstrategie, weicht von zentralisierten Joint Ventures ab und setzt auf dezentrale Kooperationen, um technologische Fortschritte trotz Infrastrukturengpässen sicherzustellen.
Dieser Artikel „OpenAI 500-Milliarden-Dollar Stargate-Plan ins Stocken geraten: Fortschritt stagniert, Team fehlt“ erschien erstmals bei ABMedia.