Sind Kryptowährungen wirklich eine für die Menschheit entwickelte Technologie?
Diese Frage ist unangenehm. Doch wenn wir auf den Weg der letzten zehn Jahre zurückblicken, lässt sie sich kaum vermeiden. Wir haben uns bemüht, Blockchain zu verbreiten, die Nutzererfahrung zu verbessern, Wallets zu vereinfachen und Gas-Gebühren zu verbergen. Dennoch sagen viele: „Es ist zu kompliziert.“
Vielleicht liegt das Problem nicht im mangelnden Verständnis der Nutzer, sondern im Ausgangspunkt des Designs selbst.
Banken sind ineffizient. Überweisungen sind langsam, Gebühren hoch, Prozesse komplex. Dennoch nutzen die Menschen weiterhin Banken. Weil es bei Fehlern Rückholmechanismen gibt, Verantwortliche benannt sind. Es ist ein System, das auf der Annahme menschlicher Unvollkommenheit basiert.
Und bei Blockchain? Ein falscher Buchstabe in der Adresse kann zu dauerhaftem Verlust führen. Transaktionen können nicht widerrufen werden. Regeln sind kalt und unbarmherzig. Ist diese Struktur wirklich menschenzentriert gestaltet?
Betrachten wir es aus einer anderen Perspektive. Ein deterministisches, regelbasiertes System, das bei Fehlern null Toleranz zeigt – für wen ist es optimiert? Für den Menschen oder die Maschine?
KI-Agenten empfinden keine Belastung durch komplexe Wallet-Adressen. Sie können Smart Contracts schnell verifizieren und Transaktionen automatisch ausführen, die den Bedingungen entsprechen. Sie werden nicht durch Phishing-Links getäuscht. Für Menschen unpraktische Strukturen sind für Maschinen vielleicht eine natürliche Umgebung.
Eine weitere Frage stellt sich: Ist das traditionelle Finanzsystem bereit, KI-Agenten zu akzeptieren? Ein Bankkonto zu eröffnen, erfordert eine natürliche Person oder eine juristische Person. KI ist beides nicht. Sie besitzt kein eigenes Vermögen und kann keine Verträge unterschreiben.
Auf der Blockchain sind Wallets Code. Signaturen sind wichtiger als Identität. KI-Agenten können ohne Genehmigungsprozesse oder Geschäftszeiten Vermögenswerte bewegen und Verträge ausführen. Für Menschen mag Blockchain fremd sein, doch für Maschinen könnte sie eine noch natürlichere Bühne darstellen.
Hier wird eine weitere Annahme aufgestellt: Sind Kryptowährungen nicht primär als Konsumgüter gedacht, sondern als Infrastruktur, die sich durchsetzt? Die Verbreitung von Stablecoins und tokenisierten realen Vermögenswerten ist möglicherweise kein bloßer Trend, sondern ein Signal für einen Wechsel in den Finanzkanälen. Das bedeutet, dass sich nicht die Oberfläche der Anwendungen verändert, sondern die zugrunde liegende Struktur.
Zukünftige Nutzer werden vielleicht nicht mehr die Blockchain wählen. Sie geben nur noch Befehle: „Zahle diese Rechnung“, „Verteile die Vermögenswerte neu“. Dabei wird der KI-Agent die optimalen Wege planen. Der Nutzer bestätigt nur das Ergebnis. Ist das nicht genau die Szene, in der Blockchain als „unsichtbare Infrastruktur“ ihre Position festigt?
In den frühen Tagen des Internets verstanden die Menschen auch nicht alle TCP/IP-Protokolle. Doch als benutzerfreundliche Dienste darüber gelegt wurden, wurde das Internet alltäglich. Geht die Blockchain denselben Weg?
Kryptowährungen sind vielleicht nicht für die Menschheit entwickelt. Doch gerade diese Eigenschaft könnte es sein, die sie durch Maschinen neue Nutzen für die Menschen erschließen lässt.
Das Problem liegt nicht im Richtig oder Falsch der Technologie. Sondern darin, mit welcher Prämisse wir diese Technologie gerade betrachten.