Die US-Aktienmärkte setzen ihre Erholungsrally zwei Tage in Folge fort, während der Kryptowährungsmarkt stark anzieht und Edelmetalle sich stärken. Die Investoren richten ihre Aufmerksamkeit auf die nach Börsenschluss veröffentlichten Quartalsergebnisse von NVIDIA (NVDA).
Softwareaktien erleben eine “Dead Cat Bounce” am zweiten Tag… Nasdaq steigt über 1% in Folge
In den letzten Tagen haben Softwareaktien, die durch AI-Ängste stark gefallen waren, zwei Tage in Folge eine Erholung gezeigt. Da der Großteil der Gewinne jedoch auf Short Squeeze zu Beginn des Tages zurückzuführen ist, handelt es sich eher um eine technische Gegenbewegung als um eine echte Branchenrückkehr.
Der Nasdaq stieg zwei Tage in Folge um mehr als 1%, erreichte den ersten starken Anstieg seit zwei Monaten und stieg an die technische Widerstandslinie bei den 50- und 100-Tage-Durchschnittswerten. Große Technologiewerte legten ebenfalls den zweiten Tag in Folge zu, während die wichtigsten US-Indizes, inklusive S&P 500 und Dow Jones, im Plus schlossen. Kleine Aktien und der Dow zeigten jedoch eine eher schwächere Performance.
Meinungen an der Wall Street gehen auseinander: “AI-Ängste werden übertrieben” vs. “Fundamentale strukturelle Veränderungen”
Die Händler bei JPMorgan widersprechen direkt den jüngsten Berichten über Panik im Technologiesektor. Sie sind der Ansicht, dass das Risiko der AI-Disruption keine neuen Informationen darstellt und die Marktpanik übertrieben ist. Besonders angesichts der Beschränkungen bei Rechenleistung und der weiterhin hohen Fehlerrate bei AI-Illusionen (Fehlinformationen) wird die großflächige Massenarbeitslosigkeit vor den frühen 2030er Jahren kaum Realität.
Auf der anderen Seite äußert sich der Leiter des Delta One-Bereichs bei Goldman Sachs, Rich Privorotski, vorsichtiger. Er beurteilt die aktuellen Marktprobleme nicht als Kampf zwischen Value- und Growth-Aktien, sondern als eine fundamentale Prüfung der Widerstandsfähigkeit von Unternehmen. Das heißt, es geht darum, ob Unternehmen letztlich physische Produkte herstellen oder nur aus ineffizienten menschlichen Systemen profitieren – eine entscheidende Weggabelung. Da AI Automatisierung und Effizienzsteigerung betrifft, bedeutet dies, dass Geschäftsmodelle, die auf Reibungsverlusten basieren, strukturelle Risiken eingehen.
“Physische Vermögenswerte” machen nach zwei Tagen eine Pause… Kreditmarkt sendet Warnsignale
Wall Street konzentriert sich derzeit auf Aktienkategorien, die schwer durch AI ersetzt werden können – Unternehmen mit Fabriken, Infrastruktur, Energie und anderen physischen Vermögenswerten, die durch AI weniger bedroht sind. Typische Branchen sind Fertigung, Energie, Versorger und Verteidigung. Goldman Sachs klassifiziert sie als “Heavy Assets, Low Obsolescence”. Kurz gesagt, das Kapital fließt in Unternehmen, die auch bei AI-Einführung bestehen bleiben.
Diese Aktien haben in den letzten Wochen eine starke Performance gezeigt, befinden sich aber aufgrund der Software-Rallye derzeit in einer Korrekturphase.
Gleichzeitig zeigen sich Warnzeichen im Kreditmarkt. Wie Privorotski warnt, folgt der Unternehmensanleihemarkt nicht der Aktienrally. Bloomberg-Analyst Simon White weist darauf hin, dass sich die Struktur der Unternehmensanleihen von Banken (Preissetzer) zu ETFs (Preisempfänger) verschiebt. Trotz niedriger Spreads steigen die Liquiditätsrisiken. Der Absturz bei Softwareaktien hat zudem Sorgen um faule Kredite im Private-Equity-Barkreditbereich ausgelöst.
Der VIX (Volatilitätsindex) sinkt zum zweiten Tag in Folge, doch der skewed Index bleibt hoch, was auf anhaltende Unsicherheit am Markt hindeutet.
Bitcoin schießt um 11% nach oben, “Short Squeeze”-Effekt?
Der Kryptowährungsmarkt erlebt einen starken Anstieg. Bitcoin stieg nach dem Rechtsstreit mit Gemini um über 11%, der Tagesanstieg von 8% ist der zweitgrößte seit März 2025. Die Marktteilnehmer interpretieren dies so, dass Gemini aufgrund der Klage vorübergehend den Markt verlassen hat, was zuvor unterdrückte Kaufinteressen freigesetzt hat.
Ethereum kehrt ebenfalls über die Marke von 2000 USD zurück und erreichte den höchsten Stand seit zwei Wochen.
Edelmetalle legen zu, US-Dollar schwächelt… Goldpreis über 5200 USD
Der Goldpreis steigt erneut über die Marke von 5200 USD, Silber durchbricht die 91 USD-Marke. Aufgrund der relativen Überrendite von Silber fällt das Gold-Silber-Verhältnis auf 57, den niedrigsten Stand seit drei Wochen. Nach Wiederaufnahme des Handels mit CME-Futures und -Optionen am Abend kam es jedoch zu schnellen Schwankungen bei Silber- und Platinpreisen.
Der US-Dollar fällt leicht, auch auf Wochenbasis ist er im Minus.
Staatsanleihen und Zinsausblick
Der Anleihemarkt bleibt relativ stabil, die Renditen steigen nur leicht um 1-2 Basispunkte. Die Erwartung einer Zinssenkung im Jahr 2026 wurde von 65 auf 53 Basispunkte reduziert, was eine hawkishe Anpassung darstellt.
Der Ölpreis fällt aufgrund steigender Lagerbestände und einer Entspannung der geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit der Hisbollah.
Wichtigster Tag: NVIDIA-Quartalsergebnis veröffentlicht
Alle Augen richten sich auf die nach Börsenschluss veröffentlichten Quartalsergebnisse von NVIDIA. Die Aktie befindet sich im engsten 60-Tage-Handelsbereich seit 2021, und die Veröffentlichung dürfte zu erheblichen Kursbewegungen führen.
Laut Goldman Sachs-Trader halten die meisten Investoren noch immer NVIDIA-Aktien. Sie könnten auf die Sichtbarkeit der Ergebnisse für 2027, Trends bei nicht-traditionellen Kunden, Wettbewerbsentwicklung und die Dynamik im China-Geschäft achten. Auch die Guidance für Blackwell- und Rubin-Chips ist ein wichtiger Punkt.
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