Zahlungsriese Stripe-Gründer Patrick und John Collison haben in ihrem neuesten Jahresbrief eine erstaunliche Prognose abgegeben: KI-Vertreter werden bald die dominierende Kraft im Online-Handel sein, und dann muss die Blockchain mindestens 1 Milliarde Transaktionen pro Sekunde bewältigen – doch derzeit erreichen die schnellsten Chains gerade einmal Tausend TPS, ein Unterschied von mehreren Hunderttausend Mal.
(Frühere Zusammenfassung: Stripe entwickelt heimlich eine neue Chain „Tempo“, integriert Bridge und Privy für nahtlose Stablecoin-Zahlungen)
(Hintergrund: Stripe kündigt über 40 Upgrades an: Open Issuance Plattform ermöglicht Unternehmen die einfache Ausgabe von Stablecoins, Kooperation mit OpenAI für das ACP-Protokoll)
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1 Milliarde Transaktionen pro Sekunde – das ist die ultimative Herausforderung, die die beiden Stripe-Gründer für die Blockchain gesetzt haben. In ihrem Jahresbrief vom Dienstag (25. Oktober) erklären Patrick Collison und John Collison offen: Mit der zunehmenden Übernahme des Online-Handels durch KI-Vertreter wird die Skalierungsbelastung für die Blockchain-Infrastruktur beispiellos sein. Und die Realität ist, dass derzeit keine Chain weltweit auch nur annähernd ein Zehntausendstel dieses Niveaus erreicht.
Um die Erschütterung durch diese Prognose zu verstehen, muss man die aktuelle Leistungsfähigkeit der Blockchain kennen:
Laut Chainspect-Daten haben nur zwei Chains weltweit eine tatsächliche Transaktionsrate, die 1.000 TPS übersteigt:
Selbst bei Solanas theoretischem Limit von 65.000 TPS liegt die Differenz zum angestrebten 1-Milliarde-Wert bei über 15.000-fach. Bei den aktuellen realen Tausend-TPS-Werten ist die Kluft sogar mehr als eine Million Mal.
Die Collison-Brüder nennen in ihrem Brief ein anschauliches Beispiel: Die Memecoin-Hype des letzten Jahres hat eine führende Blockchain fast zum Zusammenbruch gebracht, was dazu führte, dass Zahlungen auf der Stripe-Tochterplattform Bridge mehr als 12 Stunden verzögert wurden und die Transaktionskosten um das 35-fache stiegen.
Sie warnen, dass solche Überlastungen nicht nur nicht abnehmen, sondern durch die Verbreitung von KI-Vertretern noch verschärft werden:
„Wir glauben, dass KI-Vertreter bald den Großteil der Online-Transaktionen übernehmen werden. Dann muss die Blockchain in der Lage sein, mehr als eine Million – ja, sogar eine Milliarde – Transaktionen pro Sekunde zu verarbeiten.“
Neben den Infrastrukturwarnungen skizziert der Stripe-Jahresbrief auch die Entwicklungspfade für die Kommerzialisierung von KI-Vertretern, die in fünf Fähigkeitsstufen eingeteilt werden:
Bereits erreichte Grundfähigkeiten (Level 1-2)
Die Collison-Brüder sagen, dass KI-Vertreter derzeit „an der Schwelle dieser beiden Stufen“ stehen.
Noch nicht erreichte fortgeschrittene Fähigkeiten (Level 3-5)
Sie betonen, dass all dies nur möglich ist, wenn „Allgemeine Interoperabilität“ besteht – KI-Vertreter dürfen nicht in geschlossenen Ökosystemen gefangen sein, sondern müssen frei auf offenen Protokollen unterwegs sein.
Der Wert dieses Briefs liegt nicht nur in den beeindruckenden Prognosen, sondern darin, dass Stripe aktiv in diese Richtung investiert.
Im Rückblick auf die letzten anderthalb Jahre zeigt sich eine klare Strategie: Im Oktober 2024 investierte Stripe 1,1 Milliarden US-Dollar in den Kauf des Stablecoin-Infrastrukturunternehmens Bridge, im Jahr 2025 folgte die Übernahme des Wallet-Entwicklers Privy. Zudem wird gemunkelt, dass Stripe gemeinsam mit Paradigm an der Entwicklung der eigenen Blockchain „Tempo“ arbeitet – einer hochperformanten Chain speziell für Zahlungsanwendungen. Außerdem kooperierte Stripe im letzten Jahr mit OpenAI bei der Einführung des ACP (Agentic Commerce Protocol), einem Protokoll für KI-gestützten Handel. Stripe ist also mehr als nur ein Brief, der große Worte macht.
Mit anderen Worten: Wenn Stripe sagt, „Blockchain braucht 1 Milliarde TPS“, ist die unausgesprochene Botschaft wahrscheinlich: „Wir wissen, dass das derzeit unmöglich ist, also bauen wir selbst eine Chain, die es kann.“
Das ist für bestehende Layer-1-Blockchains sowohl ein Vorteil als auch eine Warnung – Vorteil, weil die Unterstützung von Stripe das Narrativ von KI-Vertretern und Blockchain in den Mainstream katapultiert; Warnung, weil, wenn Chains wie Solana oder Ethereum bei der Skalierung nicht mithalten, das größte „KI-Vertreter-Zahlungssystem“ in Zukunft vielleicht nicht von dezentralen Communities, sondern von den Zahlungsriesen selbst gebaut wird.
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