Warum schläft der Markt nach den Nvidia-Geschäftszahlen trotzdem noch?

PANews

Die „Super Bowl“ der Quartalsberichte ist gerade erst vorbei. Nvidia (NVDA) legte eine erwartungsgemäße Bilanz vor, doch der Aktienkurs verharrte nachbörslich wie an eine psychologische Marke von 200 USD geklebt, ohne klare Richtung. Gleichzeitig stieg der VIX-Index (auch bekannt als „Angstindex“), der die Marktpanik misst, nach der Bekanntgabe der Zahlen nur geringfügig im 1-Tages-Volatilitätsmaß (VIX 1-day) – deutlich weniger als viele Trader erwartet hatten – und fiel beim Handelsbeginn sofort auf etwa 9.

Dieses ruhige Bild könnte eine bedeutende Veränderung in der Marktstruktur ankündigen. Nach dem Eintreten des wichtigsten „Schuhs“ – also der großen Marktereignisse – richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte weg von einzelnen Aktien hin zu einem makroökonomischeren, wenn auch langweiligeren Thema: der „Dispersion Unwind“ (Konzentration der Streuung).

„Kaufen auf Erwartungen, Verkaufen auf Fakten“ – das Options-Dilemma

Zunächst zu Nvidia selbst. Vor der Bilanz war die Marktstimmung extrem aufgeheizt, die Optionsmärkte besonders aktiv. Viele Investoren setzten darauf, dass der Aktienkurs nach der Bekanntgabe die 200-205 USD-Marke durchbricht. Doch die Realität sieht anders aus: Nach der Bilanz pendelte der Kurs um die 200 USD, was den Wert vieler Out-of-the-Money-Optionen (insbesondere der Calls bei 200 USD und 195 USD) schnell schwinden ließ.

Ich erinnere mich an eine Tech-Bilanzsaison 2023, bei der ein Star-Unternehmen die Erwartungen übertraf, der Aktienkurs aber dennoch schwach startete. Das lag an einem Gamma Squeeze in umgekehrter Richtung – wenn der Kurs die entscheidenden Strike-Preise nicht überschritt, mussten Market Maker zum Hedging verkaufen, was den Abwärtsdruck verstärkte. Die Situation bei Nvidia ähnelt dieser Dynamik: Wenn die optimistischsten Erwartungen nicht erfüllt werden, wandelt sich der Markt für Optionen vom „Beschleuniger“ zum „Bremsklotz“.

Nach der großen Show: Die Mittelpause – das „Dispersion Unwind“ tritt auf die Bühne

Warum wirkt Nvidia nach der Bilanz so „langweilig“? Das liegt wahrscheinlich daran, dass die bisher treibende Logik – die extreme Differenzierung einzelner Aktien – an einem Wendepunkt steht.

Dispersion beschreibt die Differenz zwischen der Volatilität einzelner Aktien und des Gesamtmarkts. Im AI-Boom dominieren wenige Giganten wie Nvidia und AMD, deren Kurse stark schwanken, während viele andere Aktien kaum Bewegung zeigen. Diese hohe Dispersion ist ein Paradies für aktive Trader und quantitativen Hedgefonds. Doch diese Phase ist nicht dauerhaft.

Ein wichtiger Indikator ist die Dreimonats-Dispersion im Vergleich zur Korrelation (DSPX-COR3M). Wenn dieser Spread hoch ist, deutet das auf eine starke Streuung der Aktien hin, während die Korrelation niedrig bleibt. Historisch gesehen kehrt dieser Zustand meist zum Mittelwert zurück: Die implizite Volatilität einzelner Aktien nähert sich der des Index, die Dispersion sinkt, und die Korrelationen steigen.

Einfach gesagt: Das „Star-Solo“ könnte vorüber sein, und es ist Zeit für ein „Kollektiv-Chor“. Wenn die Dispersion zu sinken beginnt, verschlechtern sich die Gewinne aus Strategien, die auf Long-Positionen in AI-Highflyern und Short-Positionen in schwächeren Aktien setzen. Investoren könnten wieder mehr auf Sektorrotationen oder auf makroökonomische Beta-Strategien setzen.

Das „Hintergrundrauschen“: Massive US-Staatsanleihen-Abrechnungen

Während die Marktteilnehmer die Stilwechsel beobachten, läuft im Hintergrund eine technische Komponente: die Abrechnung großer US-Staatsanleihen.

Laut Terminplan werden in den kommenden Tagen etwa 1370 Milliarden USD an US-Staatsanleihen fällig – darunter 220 Milliarden USD am Tag der Bilanzveröffentlichung, 370 Milliarden USD am Folgetag usw. Diese enormen Geldbewegungen beeinflussen zwar nicht direkt den Kapitalfluss aus dem Aktienmarkt, können aber kurzfristig die Liquidität im Finanzsystem beeinflussen und die Volatilität verstärken. Es ist, als würde man in einem Schwimmbad gleichzeitig Wasser ablassen und zuführen – die Oberfläche wirkt ruhig, doch darunter brodelt es.

Ich erinnere mich an eine Quartalsend-„Rebalancing-Woche“ im letzten Jahr, bei der ähnliche Liquiditätsbewegungen zu beobachten waren. Ohne fundamentale negativen Nachrichten an den Märkten führten diese zu mehreren Tagen mit schwachen Schlusskursen, was vor allem auf Umschichtungen der Institutionen und Anleihe-Abrechnungen zurückzuführen war. Für kurzfristige Trader sind solche Termine eine Art „Kalender-Risiko“.

Wie geht es weiter?

Insgesamt könnte die Nvidia-Bilanz eine Pause in den kurzfristigen Treibern markieren. Der Markt braucht einen neuen Impuls. Dieser könnte kommen von:

  1. Klarheit bei der Geldpolitik: Die Ausrichtung der wichtigsten Zentralbanken, vor allem der Fed, wird wieder in den Fokus rücken. Hinweise auf Zinssenkungen oder deren Timing könnten die Marktstile neu bewerten.
  2. Bestätigung der Gewinnentwicklung: Das AI-Thema kann nicht nur durch Nvidia getragen werden. Es braucht mehr Unternehmen, die auf den Bilanztelefonaten konkrete Investitionspläne und Umsatzerwartungen im Bereich KI präsentieren, um die Breite und Tiefe des Trends zu belegen.
  3. Die Selbstverstärkung des Dispersion-Unwind: Wenn immer mehr Investoren das Eintreten einer Dispersion-Konzentration antizipieren und entsprechend handeln, beschleunigt sich dieser Prozess. Kapital könnte aus überhitzten AI-Sektoren abgezogen und in andere, günstig bewertete Bereiche umgeschichtet werden, was eine gesunde Sektorrotation fördert.

Für Investoren bedeutet das: Die Strategien, die auf das Hochjagen bereits eingepreister, stark gehandelter Einzelwerte setzen, könnten riskanter werden. Stattdessen sollte man auf zwei Dinge achten: Erstens, Sektoren, die vom Dispersion-Unwind profitieren könnten (z.B. zyklische oder Finanzwerte, die noch nicht gelaufen sind); zweitens, die Volatilitätsentwicklung im Blick behalten. Wenn der VIX niedrig ist, könnte das eine Gelegenheit sein, das Portfolio mit „Absicherungen“ wie Index-Put-Optionen zu versehen.

Der Markt wird nicht ewig nur Hochs feiern. Die jetzige „Phase der Ruhe“ ist eine Chance, Kapitalflüsse zu beobachten und das Portfolio anzupassen. Wenn die Chöre anfangen, ihre Stimmen zu stimmen, ist der nächste Song nicht mehr weit. Doch alle Einschätzungen sollten stets die aktuellen Marktbewegungen berücksichtigen – Flexibilität ist wichtiger als Starrheit in Zeiten von Liquiditäts- und Stilwechsel.

Lesetipp: Eine ausführliche Analyse der 20-jährigen Nvidia-Entwicklung: Vom Gaming-Grafikkarten-Start bis zum 5-Billionen-Dollar-Imperium

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