Ethereum bleibt weiterhin die führende Blockchain im Bereich der stabilen Coins und des dezentralen Finanzkapitals (DeFi) mit dem größten Marktanteil, trotz des Aufstiegs schnellerer Netzwerke.
In den letzten Jahren haben viele neue Blockchains ihre überlegene Transaktionsleistung und niedrigen Kosten beworben, was die Frage aufwirft, ob institutionelle Gelder in Zukunft Ethereum verlassen könnten.
Kevin Lepsoe, Gründer von ETHGas und ehemaliger Derivate-Manager bei Morgan Stanley in Asien, glaubt, dass der Vorteil von Ethereum noch lange bestehen bleibt, da Finanzinstitutionen oft mehr Wert auf Kapitalstärke als auf Leistungskennzahlen legen.
Er meint, dass die Transaktionsrate pro Sekunde (TPS) zwar Technikern Freude bereiten kann, aber kein entscheidender Faktor dafür ist, wohin die Gelder fließen. Laut Lepsoe konzentrieren sich Liquidität und Stablecoin-Angebot derzeit hauptsächlich auf Ethereum, und traditionelle Finanzmärkte (TradFi) suchen stets nach den liquidesten Orten.
Institutionelle Gelder bringen Skalierbarkeit und Stabilität in das Blockchain-Ökosystem. Große Vermögensverwalter und Emittenten tokenisierter Fonds investieren in ausreichendem Umfang, um die Liquidität zu erhöhen und das Stablecoin-Angebot zu stärken. Ihre Präsenz hilft einem Netzwerk, langfristig eine führende Position zu halten, anstatt auf die oft spekulativen Retail-Wellen zu setzen, die in Bullenmärkten explodieren und bei schlechten Bedingungen wieder abklingen.

Wenn Institutionen vor allem dort investieren, wo bereits große Kapitalmengen vorhanden sind, reicht es nicht aus, eine schnellere Blockchain zu bauen, um Kapital von Ethereum abzuziehen.
In früheren Zyklen war die Leistung ein wichtiger Anziehungspunkt. Solana trat als schnelle Alternative zu Ethereum auf und wurde sogar als „Ethereum-Killer“ bezeichnet. Das Netzwerk zog viele Kleinanleger durch NFT-Wellen und Memecoin-Hype an, doch diese Dynamik war nicht nachhaltig.
Heute steht Solana vor neuen „Solana-Killer“-Kandidaten, die noch höhere TPS-Werte versprechen. Dennoch bietet Ethereum durch seine Liquiditätsvorteile engere Spreads, geringere Slippage bei großen Transaktionen und die Fähigkeit, institutionelle Transaktionen zu absorbieren, ohne starke Preisbewegungen zu verursachen.
Lepsoe vergleicht Ethereum mit dem Finanzzentrum einer Stadt. Es mag Vororte mit unterschiedlichen Preisen oder Erfahrungen geben, aber für die tiefste Liquidität suchen Gelder den Kern — und im aktuellen Blockchain-Ökosystem ist das Ethereum.
Während frühere Zyklen hauptsächlich durch Retail-Spekulation angetrieben wurden, gewinnt in der nächsten Phase die Rolle institutioneller Gelder zunehmend an Bedeutung. Finanzinstitutionen interessieren sich verstärkt für praktische Anwendungen wie Stablecoins und tokenisierte Realwerte (RWA).
Sogar der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock treibt die RWA-Strategie voran. Der USD Liquidity Fund (BUIDL), ein tokenisierter US-Staatsanleihenfonds, wurde zunächst auf Ethereum gestartet und später auf andere Blockchains ausgeweitet. Derzeit macht Ethereum über 30 % des BUIDL-Marktkapitals aus.
Ethereum ist auch die größte Plattform für Stablecoins mit einem Volumen von 160,4 Milliarden USD laut DefiLlama. Samara Cohen, Global Head of Market Development bei BlackRock, sagt, dass Stablecoins zunehmend die Brücke zwischen traditioneller Finanzwelt und digitaler Liquidität bilden.
Ethereum festigt seine führende Position als Verteilungsplattform für Realwerte (RWA), ohne Stablecoins | Quelle: RWA.xyz## Strukturreform zur Stärkung der Position
Obwohl Liquidität eine zentrale Rolle spielt, darf die technische Leistung nicht unterschätzt werden. Ethereum hat seine Struktur angepasst, um die Skalierbarkeit zu verbessern. Transaktionskosten, die zuvor unpraktisch hoch waren, sind durch Layer-2-Lösungen deutlich gesunken. Allerdings führt Layer 2 auch zu einer Fragmentierung der Liquidität zwischen verschiedenen Umgebungen.
Lepsoe sieht diese Fragmentierung als „Glück im Unglück“. Wenn Layer 2 einen Teil der Liquidität nicht im Ethereum-Ökosystem hält, könnten Gelder in konkurrierende Layer-1-Blockchains abwandern und schwer zurückkehren.
Kürzlich hat Ethereum den Fokus wieder auf die Erweiterung des Layer-1 gelegt. Mitgründer Vitalik Buterin meint, viele Layer-2-Lösungen seien noch nicht so dezentralisiert, wie erhofft, während die Mainchain bereits die Voraussetzungen für direkte Erweiterungen bietet.
Ethereum plant die Einführung des Upgrades Glamsterdam im Jahr 2026, das das Gas-Limit pro Block von 60 auf 200 Millionen erhöhen soll, mit dem Ziel, langfristig 10.000 TPS zu erreichen.
Neben der Protokoll-Upgrade testen Infrastruktur-Anbieter auch Effizienzsteigerungen. Lepsoes ETHGas konzentriert sich auf die Verbesserung der Blockerstellung durch Off-Chain-Mechanismen, während Psy Protocol Zero-Knowledge-Technologie nutzt, um mehrere Transaktionen zusammenzufassen.
Marcin Kaźmierczak, Mitgründer von RedStone, einem Oracle-Datenanbieter für tokenisierte Vermögenswerte und Blockchain-Anwendungen, meint, Ethereum habe durch seine lange Betriebsdauer und bewährte Stabilität einen Vorteil. Während Organisationen stark auf Ethereum setzen, prüfen sie auch Alternativen wie Solana oder Canton, vor allem wenn Datenschutz eine Priorität ist.
Lepsoe betont jedoch, dass er keine ernsthafte Bedrohung durch Wettbewerber sieht, da Ethereum die tiefste Liquiditätsreserve besitzt — ein entscheidender Faktor für große Kapitalallokatoren.
Im Blockchain-Markt zieht Geschwindigkeit kurzfristig Nutzer an, doch langfristige Investoren bleiben meist dort, wo Markt und Liquidität am tiefsten sind. Derzeit bleibt dieser Vorteil bei Ethereum.
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