Nach dem Ausbruch des Konflikts zwischen den USA und Iran kommt es zu heftigen Marktturbulenzen. Privatanleger verkaufen panisch oder kaufen die bereits stark gestiegenen Werte nach, während Institutionen abwarten. Ein ehemaliger Investmentbanker analysiert die seit dem Golfkrieg, Irakkrieg bis zum Russland-Ukraine-Krieg wiederholte „Dreistufen-Regel der Kapitalflüsse“ und stellt fest, dass Privatanleger bei geopolitischen Konflikten fast immer vor einem strukturellen Problem stehen, das Verluste verursacht. Der eigentliche Einstiegszeitpunkt liegt oft nicht im Sturm, sondern danach. Dieser Artikel basiert auf Felix Prehns Artikel „How The US Iran Conflict Will Make Experienced Investors Rich“, übersetzt und bearbeitet von Dongqu.
(Frühere Zusammenfassung: Ist Bitcoin wirklich ein sicherer Hafen? Im Vergleich zu den letzten drei Kriegen – hat BTC Gold oder den S&P 500 geschlagen…) (Hintergrund: In einer Ära der Konflikte ist Volatilität die wahre Asset-Klasse?)
Inhaltsverzeichnis
Toggle
Die Nachrichten über den Konflikt zwischen den USA und Iran überschlagen sich. Wenn du darüber nachdenkst, ob sich daraus Gewinnchancen ergeben – die Antwort ist ja. Felix Prehn, ehemaliger Investmentbanker, hat sich in seiner Karriere auf „Ereignisgetriebene Chancen“ spezialisiert, also die finanzielle Verpackung von Kriegen. Er hat festgestellt, dass jede größere militärische Auseinandersetzung seit dem Golfkrieg, Irakkrieg bis zum Russland-Ukraine-Krieg einem ähnlichen Dreistufen-Muster folgt, das die Kapitalflüsse der Institutionen bestimmt.
Und genau dieses Muster wiederholt sich auch bei diesem Konflikt.
Beim Ausbruch eines Konflikts lassen sich das Verhalten der Privatanleger grob in drei Gruppen einteilen:
Alle Assets in Bargeld umwandeln – glauben, damit sicher zu sein, in Wirklichkeit aber nur die Inflation schleichend auffressen lassen; vor dem Bildschirm sitzen und nichts tun – die Konten schwanken sehen, aber keine Handlung vornehmen; oder in die gerade stark gestiegenen Werte wie Öl, Rüstungsaktien, Gold investieren – zum schlechtesten Zeitpunkt, getrieben von Angst, aber ohne Plan.
Was die milliardenschweren Institutionen tun? Keines dieser Dinge. Sie folgen den seit Jahrzehnten beobachteten Gesetzmäßigkeiten, nicht der Emotion.
Historische Daten zeigen klar: In den ersten 10 Tagen nach einem geopolitischen Konflikt fällt der S&P 500 meist um 5 bis 7 %. Nach etwa 35 Tagen kehrt er wieder auf das Ausgangsniveau zurück. Nach 12 Monaten steigt er um 8 bis 10 % – das entspricht der durchschnittlichen Rendite eines normalen Jahres.
Beispiele: Während des Golfkriegs erzielte der S&P eine annualisierte Rendite von 11,7 %, im Jahr nach Kriegsende stieg er um weitere 18 %. Im Irakkrieg 2003 stiegen die Märkte innerhalb von drei Monaten um 13,6 %. Nach Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs 2022 fiel der S&P zunächst um 7 %, erholte sich aber innerhalb weniger Monate über das Vorkriegsniveau.
Fazit: Kriege zerstören den Markt kaum wirklich. Sie schaffen Unsicherheit, die zu Kursrückgängen führt, aber auch Chancen.
Der Iran produziert 3,3 Millionen Barrel Rohöl täglich. Jede Eskalation – auch nur die wahrgenommene – erhöht das Risiko einer Versorgungsknappheit, das sich entlang der Wertschöpfungskette auswirkt.
Der Markt wartet nicht auf tatsächliche Unterbrechungen, sondern preist die Wahrscheinlichkeit schon im Voraus in die Preise ein. Öl ist die Grundlage für fast alle Produktionsprozesse – Transport, Fertigung, Schifffahrt, Lebensmittel, Düngemittel, Heizung und Klimatisierung. Steigende Ölpreise bedeuten höhere Kosten, treiben die Inflation an; hohe Inflation erschwert Zinsanhebungen der Fed; hohe Zinsen verteuern Hypotheken, Autokredite, Firmenkredite; die gestiegenen Finanzierungskosten drücken die Gewinne der Unternehmen, was die Aktienbewertungen nach unten korrigiert.
Klare Kette: Ölpreis → Inflation → Zinsen → Bewertung.
Jeder geopolitische Konflikt durchläuft drei unterschiedliche Phasen. Das Verständnis, in welcher Phase man sich befindet, ändert alles.
Phase 1: Schock
Schnell und heftig, getrieben von Emotionen und Algorithmen. Öl schießt nach oben, der VIX (Angstindex) explodiert, riskante Anlagen werden verkauft – Biotech, Wachstums-Tech, spekulative Werte – während Kapital in sichere Anlagen fließt, Gold steigt. Die Medien berichten rund um die Uhr, um Panik zu schüren.
Diese Phase dauert Tage bis Wochen. Wenn du jetzt in Öl, Gold oder Rüstungsaktien investierst, landest du wahrscheinlich am Hochpunkt. Impulsives Handeln ist in dieser Phase am teuersten.
Phase 2: Neue Bewertung
Die Panik lässt nach, der Markt wechselt vom „Fühlen“ zum „Denken“. Die Frage ist: Was passiert als Nächstes? Handelt es sich um eine temporäre Schockwelle oder einen strukturellen Wandel? Bleibt die Inflation dauerhaft? Wie reagiert die Fed? Sind die Lieferketten dauerhaft gestört oder nur vorübergehend belastet?
In dieser Phase passen Institutionen ihre Positionen an. Nicht in der ersten chaotischen Phase, sondern in der späteren Klarheit. Das Geld der klugen Investoren wird in der Ruhe nach dem Sturm verdient, nicht im Sturm selbst.
Phase 3: Rotation
Kapital fließt aus den am stärksten getroffenen Sektoren in jene, die in der neuen Ordnung profitieren.
Energie – aber nicht das, was du denkst
Kurzfristig gewinnt Öl gegenüber dem Markt. Studien der US-Notenbank zu den geopolitischen Schocks der 90er zeigen, dass Öl die beste Assetklasse war, mit durchschnittlich 18 % Gewinn. Doch langfristig lohnt es sich, in Unternehmen zu investieren, die unabhängig von der Ölpreisrichtung Gebühren für den Durchfluss erheben – Pipelines, Speicher, Energieinfrastruktur.
Verteidigung – Fokus auf Strukturaufträge, nicht auf Schlagzeilen
Rüstungsaktien steigen im Konflikt sofort an, einige um mehr als 30 %. Aber Verteidigungsausgaben sind keine Quartalsentscheidung. Die Regierung schließt Zehnjahresverträge, große Auftragsbestände in Billionenhöhe. Es lohnt sich, in Unternehmen zu investieren, die auf langfristige Ausgabenzyklen setzen.
Gold und Silber – für die längere Frist
Gold schießt im ersten Schock nach oben, bleibt aber oft auf hohem Niveau. Daten von Bank of America zeigen, dass Gold auch nach einem halben Jahr noch im Schnitt 19 % besser performt. Die fundamentalen Treiber – höhere Inflation, Zentralbankgeldschöpfung, Flucht in sichere Anlagen – verschwinden nicht mit den Schlagzeilen. Wenn der Konflikt sich verzögert, die Ölpreise hoch bleiben und die Inflation klebt, kann die Fed die Zinsen nicht senken – das ist das Umfeld, in dem Gold am stärksten ist.
Unternehmen mit Preissetzungsmacht
Viele übersehen das: Bei anhaltend hoher Inflation sollten Investoren in Firmen investieren, die die höheren Kosten an die Kunden weitergeben können und deren Kunden nicht weglaufen. Starke Marken, hohe Margen, keine billigen Alternativen. Versorger und Immobilien schneiden in solchen Zeiten meist schlechter ab, weil dauerhaft hohe Zinsen die Bewertungen drücken.
Nicht panisch verkaufen. Jahrzehntelange Daten zeigen: Der erste Impuls ist immer falsch. Verkaufe in der Anfangsphase, du realisierst Verluste und verpasst die Erholung. Kaufe nicht bei den Schlagzeilen, die schon in den Medien sind – wenn du es aus den Nachrichten erfährst, bist du zu spät.
Halte deine Kernpositionen – Unternehmen mit starken Marken, hohen Margen und Preissetzungsmacht. Überprüfe dein Portfolio: Was ist in der aktuellen Lage besonders anfällig? Wo fließt institutionelles Kapital hinein, aber du hast noch nicht investiert?
Was du tun solltest: „Tilt“ dein Portfolio – diszipliniert in jene Sektoren umschichten, in denen das institutionelle Kapital bereits unterwegs ist, noch bevor die Headlines es verraten.
Dieser Text dient nur der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind volatil, bitte risikobewusst investieren.
Verwandte Artikel
Michael Saylor signalisiert neuen Bitcoin-Kauf angesichts der Marktschwäche
Daten: Wenn BTC die 69.504 US-Dollar überschreitet, wird die kumulierte Short-Clearance-Intensität der Mainstream-CEX auf 12,51 Milliarden US-Dollar steigen
Straßen von Hormuz Spannungen treiben die Ölpreise in die Höhe, Bitcoin steht vor einer Liquiditätsprüfung von allen Seiten
Bitcoin fällt weiterhin nicht an die Schmerzgrenze, im März könnte sich eine strategische Aufbauphase ergeben