
Amerikanische Prognosemarktplattform Polymarket verzeichnete 6 neue registrierte Konten, die präzise auf den Zeitpunkt des Iran-Konflikts setzten und insgesamt etwa 1 Million US-Dollar Gewinn erzielten. Zugleich ist Donald Trump Jr., der älteste Sohn von Präsident Trump, Berater bei Polymarket. Seine Risikokapitalfirma 1789 Capital investierte ebenfalls mehrere Millionen Dollar in die Plattform, was weitere politische Kontroversen wegen möglicher Interessenkonflikte auslöste.
Laut Berichten von Bloomberg und NPR zeigt die Analyse von Bubblemaps SA mehrere ungewöhnliche Merkmale:
Ungewöhnliche Transaktionskonzentration: Die 6 Konten handelten ausschließlich mit Verträgen im Zusammenhang mit US-Luftangriffen auf den Iran, die Transaktionen waren hochgradig fokussiert und einseitig.
Zeitliche Übereinstimmung: Mehrere Wetten wurden wenige Stunden vor den Explosionen in Teheran abgeschlossen, nicht erst nach Bekanntgabe der Nachrichten.
Gesamtmarktvolumen: Verträge, die direkt mit den militärischen Aktionen der USA verbunden sind, erreichten ein Gesamtvolumen von 529 Millionen US-Dollar (ca. 166,5 Milliarden TWD) und gehören zu den meistgehandelten auf Polymarket.
Regulatorischer Graubereich: Der Prognosemarkt fehlt derzeit ein klarer Rahmen zur Marktmanipulation, was es Analysefirmen erschwert, „extrem glückliche“ Gewinne von Insiderinformationen zu unterscheiden.
Experten weisen darauf hin, dass die Präzision dieser Transaktionen, sofern keine geheimen Informationen vorliegen, statistisch äußerst unwahrscheinlich ist. Ohne direkte Beweise ist es jedoch schwierig, Insiderhandel eindeutig nachzuweisen.
Donald Trump Jr. steht in folgenden konkreten Verbindungen zu Polymarket, was die politische Sensibilität der Kontroverse erhöht:
Beraterrolle: Trump Jr. ist offizieller Berater bei Polymarket und hat Einfluss auf die Unternehmensstrategie.
Kapitalbeteiligung: Seine Risikokapitalfirma 1789 Capital investierte mehrere Millionen Dollar in Polymarket und hat klare finanzielle Interessen.
Aufhebung federaler Untersuchungen: Nach Amtsantritt der Trump-Regierung wurden zwei Untersuchungen gegen Polymarket, die während der Biden-Administration liefen, eingestellt. Zuvor war die Plattform wegen der Bereitstellung von Diensten für US-Nutzer regulatorisch geprüft worden.
Der demokratische Bundes senator aus Connecticut, Christopher Murphy, kritisierte öffentlich auf X, dass Trumps Umfeld „durch den Krieg Profit schlägt“ und kündigte an, Gesetze gegen solche Aktivitäten vorzuschlagen. Er sagte: „Dass so etwas legal ist, ist einfach verrückt.“
Diese Kontroverse ist nicht die erste, bei der Prognosemärkte in Insiderhandel verwickelt sind. Im Januar dieses Jahres prognostizierte ein anonymer Händler präzise den Zeitpunkt der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und profitierte dabei etwa 400.000 US-Dollar. Bereits im Vorjahr war Israel beschuldigt worden, zwei Personen genutzt zu haben, um militärische Geheimnisse zu handeln und auf Konflikte zwischen Israel und dem Iran zu wetten.
Rechtlich betrachtet stuft die US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) Prognosemärkte als „Futures-Kontrakte“ und nicht als Glücksspiel ein. Dennoch könnten Wetten auf Krieg und Tod gegen bestehende Gesetze verstoßen, da solche Wetten potenziell Gewalt und geopolitische Instabilität fördern. Eine weitere Prognoseplattform, Kalshi, geriet ebenfalls in die Kritik, weil sie Märkte im Zusammenhang mit dem Tod des iranischen Oberhaupts Khamenei förderte. Um rechtliche Risiken zu vermeiden, zog sie einige Gebühren zurück, was bei einigen Händlern Unmut auslöste.
Amanda Fischer, ehemalige SEC-Beamtin bei Better Markets, forderte den Kongress auf, schnell Gesetze zu erlassen, um „Wetten auf Krieg und Attentate“ zu verhindern. Sie warnte, dass solche Aktivitäten „verzerrte Anreize“ schaffen und die internationale Stabilität bedrohen.
Die rechtliche Lage von Polymarket ist unklar. Die CFTC stuft Prognosemärkte als Futures-Kontrakte ein, nicht als Glücksspiel. Allerdings wurde Polymarket zuvor wegen der Bereitstellung von Diensten für US-Nutzer federal untersucht und hat den Zugang für US-Privatanleger eingestellt. US-Gesetze verbieten ausdrücklich Wetten, die auf Gewalt, Krieg oder Tod basieren.
Die Tätigkeit als Berater und die Kapitalbeteiligung sind rechtlich unproblematisch. Das eigentliche Problem liegt darin, dass während Trumps Präsidentschaft die Untersuchungen gegen Polymarket eingestellt wurden und auf der Plattform hochpräzise Wetten auf militärische Entscheidungen auftauchten. Diese Umstände werfen moralische Fragen auf, keine direkten rechtlichen.
Derzeit gibt es keine klare bundesweite Gesetzgebung, die Insiderhandel bei Prognosemärkten regelt. Bestehende Marktmanipulationsgesetze beziehen sich hauptsächlich auf traditionelle Finanzinstrumente. Prognosemärkte befinden sich rechtlich in einer Grauzone zwischen Futures, Glücksspiel und Informationshandel, was die Durchsetzung erschwert. Das vorgeschlagene Gesetz von Senator Murphy zielt auf diese regulatorische Lücke ab.