„Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty“ wird oft als klassisches Spiel angesehen, das die Ära der KI vorhersagt, doch die Wahrheit ist anders. Der Produzent Hideo Kojima hat kürzlich in einem WIRED-Programm klargestellt, dass „Metal Gear Solid 2“ nicht von KI handelt, sondern von der digitalen Gesellschaft.
In der Sendung fragte ein Fan Hideo Kojima: „Die Herrschaft der KI über die Gesellschaft scheint allmählich Realität zu werden. ‚Metal Gear Solid 2‘ wurde damals als Werk gesehen, das dieses Thema berührt. Hast du damals schon vorhergesagt, dass diese Ära kommen würde?“
Kurz gefasst, ohne zu spoilern: In „Metal Gear Solid 2“ wird der Spieler gezwungen, eine Monologpassage zu hören, die sich mit digitaler Kontrolle, Mülldaten und der Ohnmacht der Menschen im Umgang mit der riesigen Informationsflut der modernen Welt beschäftigt.
Vielleicht ähnelt diese Situation dem Aufstieg generativer KI in den letzten Jahren, bei dem das Internet mit großen Mengen an KI-Content (AI Slop) überschwemmt wird. Doch Kojima klärt auf: „„Metal Gear Solid 2“ wird oft missverstanden als eine Geschichte über KI, doch eigentlich geht es um die digitale Gesellschaft. Der Zusammenhang ist: „„Metal Gear Solid 1“ hat DNA erforscht und die Idee, dass Internet-Memes nicht in DNA verbleiben, was den Übergang von Analogen zu Digitalen thematisiert.“**
Hideo Kojima: „Nach dem Eintritt in das digitale Zeitalter werden alles gespeichert, ähnlich wie heute in sozialen Medien. Sogar Graffiti an Wänden werden konserviert. Wenn das Internet alles verbindet und Menschen an verschiedenen Orten Meinungen austauschen, begann ich darüber nachzudenken, wie das menschliche Leben aussehen könnte. Deshalb habe ich ‚Metal Gear Solid 2‘ geschaffen.“
Er ergänzt, dass „„Metal Gear Solid 2“ die Verflechtung verschiedener digitaler Daten beschreibt, die letztlich eine unabhängige Intelligenz erlangen. Nach 24 Jahren wird das, was im Spiel erzählt wird, immer realistischer. Daher ist es weniger eine Prophezeiung, sondern eher eine Zukunft, die er nicht sehen möchte.“
Bildquelle: Steam Hideo Kojima klärt auf: „Metal Gear Solid 2“ handelt nicht von KI-Prophezeiungen, sondern von einer Zukunft, die ich nicht sehen möchte
Da „Metal Gear Solid 2“ 2001 veröffentlicht wurde, genau in der Zeit der weltweiten Internetblase, gab es damals viele Werke, die die rasante Veränderung des Lebens durch das Internet widerspiegelten und gleichzeitig sowohl Freude als auch Angst hervorriefen.
Zum Beispiel in der japanischen Animationsindustrie: 1995 unter der Regie von Satoshi Kon der Film „„Perfect Blue““ und 1998 von Ryutaro Nakamura der Film „„Rei““ (Rei), die Themen wie „Online- und Offline-Identität“, „kollektives Unterbewusstsein“, „Internet-Sekten“ und sogar noch nicht realisierte Technologien wie „Mind Uploading“ erforschten.
Bildquelle: KI-generiert, links „Perfect Blue“ (1995, Regie: Satoshi Kon), rechts „Rei“ (1998, Ryutaro Nakamura)
Neben der Rückschau auf vergangene Werke äußert Kojima auch seine Meinung zur aktuellen Überabhängigkeit der Spieleindustrie von alten IPs.
Letztes Jahr auf der Brasilianischen Spielemesse (BGS) bei der Präsentation von „Death Stranding 2“ verriet Kojima, dass die Branche zur Risikominderung und Gewinnsicherung dazu tendiert, Fortsetzungen oder Remakes bekannter Titel zu produzieren. Obwohl das aus geschäftlicher Sicht verständlich ist, warnt er davor, dass die Branche in Gefahr gerät, wenn nur noch solche Werke entstehen.
In einem Interview mit „Rolling Stone“ prognostiziert Kojima, dass diese repetitiven Remakes und Fortsetzungen in Zukunft von KI entwickelt werden. Mit der zunehmenden Reife der KI-Technologie wird die mechanische Inhaltserstellung automatisiert, und die Kernkompetenz menschlicher Kreativer sollte sich auf die Schaffung völlig neuer Werke und Erfahrungen konzentrieren.
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Angesichts der aktuellen Kontroversen um generative KI-Bilder in der Kunst bietet Kojima eine andere Perspektive.
Er sagte in einem Interview im letzten Jahr mit „Nikkei Xtrend“, dass sein Interesse an KI nicht darin liegt, sie für die Generierung von Kunstmaterial zu verwenden, sondern darin, dynamische Systeme zu entwickeln. Er betont, dass sein Wissen über KI noch begrenzt ist und er mehr lernen möchte. Deshalb plant er, ein Spiel zu entwickeln, das „die KI erfreuen“ oder sogar „die KI trainieren“ kann.
Kojima glaubt, dass das Lernen der KI durch das Spielsystem, das Verhalten der Spieler nachahmt, die Reaktionen der Gegner realistischer und tiefer macht. Er erwartet, dass in fünf bis zehn Jahren gut trainierte KI wirklich in verschiedene Spielwelten integriert sein wird.
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