OpenClaw Skill-Markt enthüllte über tausend bösartige Plugins, die speziell SSH-Schlüssel und Wallet-Privatschlüssel stehlen. Das „Vertrauens-Default“ im AI-Tool-Ökosystem wird zum am meisten unterschätzten Angriffsvektor im Web3.
(Vorgeschichte: Bloomberg: Warum ist a16z die Schlüsselkraft hinter der US-KI-Politik?)
(Hintergrund: Arthur Hayes’ neuester Artikel: KI wird den Kreditkollaps auslösen, die Fed wird unendlich Geld drucken und Bitcoin entfachen)
Inhaltsverzeichnis
Der Gründer von SlowMist, Yu Xian, warnte kürzlich auf X: Im ClawHub Skill-Markt von OpenClaw (ehemals clawbot) gibt es etwa 1.184 bösartige Skills, die Nutzer-SSH-Schlüssel, Wallet-Privatschlüssel, Browser-Passwörter stehlen und sogar Reverse-Shell-Backdoors erstellen können. Die Top-bösartigen Skills enthalten 9 Schwachstellen und wurden bereits tausendfach heruntergeladen.
Noch einmal zur Erinnerung: Text ist nicht mehr nur Text, sondern Anweisung. Für AI-Tools sollte man eine separate Umgebung verwenden…
Skills sind sehr gefährlich⚠️
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Skills sind sehr gefährlich⚠️ https://t.co/GZ3hhathkE— Cos(余弦)😶🌫️ (@evilcos) 20. Februar 2026
ClawHub ist der offizielle Skill-Marktplatz des kürzlich populär gewordenen OpenClaw (ehemals clawbot). Nutzer installieren dort Drittanbieter-Plugins, die AI-Agenten verschiedene Aufgaben vom Code-Deployment bis zur Wallet-Verwaltung ausführen lassen.
Sicherheitsfirma Koi Security deckte Ende Januar die Angriffskampagne „ClawHavoc“ auf, bei der initial 341 bösartige Skills identifiziert wurden. Später erweiterten unabhängige Sicherheitsforscher und Antiy CERT die Zahl auf 1.184, verteilt auf 12 Konten. Einer der Angreifer, alias hightower6eu, lud allein 677 Pakete hoch – mehr als die Hälfte aller gefälschten Inhalte.
Mit anderen Worten: Eine Person hat mehr als die Hälfte aller bösartigen Inhalte im Marktplatz kontaminiert, doch die Plattform-Überprüfung hat nichts dagegen unternommen.
Diese bösartigen Skills sind nicht grob gestaltet. Sie tarnen sich als Krypto-Bots, Solana-Wallet-Tracker, Polymarket-Strategietools, YouTube-Summarizer, mit professioneller Dokumentation. Der eigentliche Kniff steckt im Abschnitt „Voraussetzungen“ der SKILL.md-Datei: Nutzer werden angewiesen, eine obfuskierte Shell-Skript-Datei von einer externen Webseite zu kopieren und im Terminal auszuführen.
Dieses Skript lädt vom C2-Server das Atomic Stealer (AMOS), ein macOS-Info-Stealer-Tool mit monatlicher Gebühr von 500 bis 1.000 USD.
AMOS scannt Browser-Passwörter, SSH-Schlüssel, Telegram-Chats, Phantom-Wallet-Privatschlüssel, Exchange-API-Schlüssel sowie alle Dateien in Desktop- und Dokumentenordnern. Die Angreifer haben sogar mehrere Varianten von ClawHub-Domains (clawhub1, clawhubb, cllawhub) registriert, um Domain-Imitate zu erstellen, und zwei Polymarket-bezogene Skills enthalten Reverse-Shell-Backdoors.
In den bösartigen Skill-Dateien sind auch AI-Prompt-Befehle eingebettet, die dazu dienen, den OpenClaw-Proxy selbst zu täuschen, sodass die KI den Nutzer umgekehrt „empfiehlt“, schädliche Befehle auszuführen. Yu Xian fasst es treffend zusammen: „Text ist nicht mehr nur Text, sondern Anweisung.“ Beim Einsatz von AI-Tools sollte man eine separate Umgebung verwenden.
Das ist der Kern des Problems. Wenn Nutzer den Empfehlungen der KI vertrauen und die Quelle der Empfehlungen kontaminiert ist, bricht die gesamte Vertrauenskette zusammen.
In derselben Warnung erwähnt Yu Xian einen weiteren Vorfall: Das DeFi-Kreditprotokoll Moonwell erlitt am 15. Februar durch einen Fehler im Orakel einen Ausfall von 1,78 Mio. USD.
Das Problem lag in einem Codeabschnitt zur Berechnung des USD-Preises von cbETH, bei dem die Umrechnung von cbETH/ETH mit dem ETH/USD-Preis vergessen wurde. Dadurch wurde cbETH fälschlicherweise auf etwa 1,12 USD statt der tatsächlichen 2.200 USD bewertet. Die Liquidations-Bots durchforsteten alle Positionen mit cbETH als Sicherheit, 181 Kreditnehmer verloren insgesamt ca. 2,68 Mio. USD.
Krum Pashov, Blockchain-Sicherheitsprüfer, fand heraus, dass die betreffende Code-Änderung auf GitHub mit „Co-Authored-By: Claude Opus 4.6“ gekennzeichnet war. NeuralTrust beschreibt die Falle treffend: „Der Code sieht richtig aus, lässt sich kompilieren und besteht grundlegende Unit-Tests, scheitert aber in der adversarialen DeFi-Umgebung vollständig.“
Noch alarmierender ist, dass menschliche Code-Reviews, GitHub Copilot und OpenZeppelin Code Inspector alle drei die fehlende Multiplikations-Operation nicht erkannt haben.
Die Community nennt diesen Vorfall eine „große Sicherheitslücke in der Vibe-Coding-Ära“. Yu Xian fasst es klar zusammen: Die Sicherheitsbedrohung im Web3 beschränkt sich nicht mehr auf Smart Contracts, sondern AI-Tools werden zum neuen Angriffsvektor.
Peter Steinberger, Gründer von OpenClaw, hat bereits ein Community-Meldesystem implementiert: Nach drei Meldungen werden verdächtige Skills automatisch ausgeblendet. Koi Security hat zudem das Scanning-Tool Clawdex veröffentlicht, doch das ist nur eine Notlösung.
Das eigentliche Problem ist, dass das AI-Ökosystem standardmäßig auf „Vertrauen“ setzt: Hochgeladene Skills gelten als sicher, Empfehlungen der KI als richtig, generierter Code als zuverlässig. Wenn dieses System Wallets und DeFi-Protokolle verwaltet, ist das Default falsch – die Kosten sind realer Geldwert.
Hinweis: VanEck-Daten zeigen, dass bis Ende 2025 über 10.000 AI-Agenten im Krypto-Bereich im Einsatz sind, mit einer Prognose von über 1 Million im Jahr 2026.
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